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23. Januar – Fest Maria Vermählung

Warum die Vermählung Mariens mit dem heiligen Josef kein Randthema der Heilsgeschichte ist: Die Ehe von Maria und Josef war weit mehr als eine formale Absicherung – sie war von Gott selbst gewollt und ganz auf Christus hingeordnet. Warum Jesus einen gesetzlichen Vater brauchte, weshalb diese Ehe Urbild der christlichen Ehe ist und welche verborgene heilsgeschichtliche Tiefe sich in ihr offenbart, beleuchtet unser neuer Artikel.

RaffaelDie Vermählung Mariens mit dem heiligen Josef – ein Schlüsselgeheimnis der Heilsgeschichte

Nach der weisen Vorsehung Gottes sollte sein eingeborener Sohn nicht als Kind einer alleinstehenden Mutter in die Welt treten. In der geschichtlichen und rechtlichen Situation des damaligen Judentums wäre dies kaum möglich gewesen, ohne den Messias schwerem Verdacht auszusetzen. Eine uneheliche Geburt hätte nicht nur den Ruf Jesu belastet, sondern auch seine Anerkennung als der verheißene Sohn Davids unmöglich gemacht. Denn nach jüdischem Recht wurde die Abstammung ausschließlich über den Vater vermittelt – unabhängig davon, ob es sich um einen leiblichen oder einen gesetzlichen Vater handelte.

Aus diesem Grund musste Jesus wenigstens vor dem Gesetz einen Vater haben. Ebenso musste Maria rechtmäßig verheiratet sein, auch wenn ihre Ehe jungfräulich blieb. Hier liegt die einzigartige und heilsgeschichtlich unverzichtbare Sendung des heiligen Josef. Gott bestimmte ihn dazu, der wahre Ehemann Mariens und der gesetzliche Vater Jesu zu sein. Ohne Josef wäre die Menschwerdung Christi in der geschichtlichen Ordnung Israels nicht in der von Gott gewollten Weise offenbar geworden.

Die Kirche hat daher niemals gelehrt, die Ehe zwischen Maria und Josef sei lediglich ein Schutz- oder Zweckbündnis gewesen. Die Heilige Schrift bezeichnet Maria ausdrücklich als die Angetraute Josefs und berichtet von ihrer Heimführung. Es handelte sich um eine echte, gültige Ehe, gegründet auf gegenseitige Liebe und Treue. Zugleich war diese Ehe einzigartig: Sie war von Gott selbst angeordnet und hatte ihre ganze Erfüllung ausschließlich in Christus. Der heilige Thomas von Aquin bringt dies auf den Punkt, wenn er erklärt, diese Ehe sei geschlossen worden, „damit jene heilige Frucht in ihr empfangen und erzogen werde“.

Urbild der christlichen Ehe

Aus der Ehe Mariens und Josefs ergibt sich eine tiefe Aussage über das Wesen der christlichen Ehe überhaupt. Jede Ehe zwischen Getauften steht in einer übernatürlichen Beziehung zu Christus. Wer Ehe nur als eine weltliche Einrichtung versteht, verfehlt ihren eigentlichen Sinn. In dieser rein irdischen Gestalt hätte Christus sie niemals zur Würde eines Sakramentes erhoben.

Der Apostel Paulus spricht deshalb vom „großen Geheimnis“ der Ehe – und fügt ausdrücklich hinzu: „in Christus“. Christliche Ehe ist in ihrem innersten Wesen darauf ausgerichtet, dass Christus in ihr Gestalt gewinnt und heranreift. Dies geschieht auf zweifache Weise: Zum einen dadurch, dass die Ehe der Weitergabe des Lebens und des Glaubens dient und so neue Glieder in den mystischen Leib Christi, die Kirche, aufgenommen werden. Zum anderen dadurch, dass im gemeinsamen Leben, im gegenseitigen Tragen, Helfen und Belehren, das Bild Christi in den Seelen der Eheleute selbst immer klarer ausgeprägt wird.

In diesem Sinn ist die Ehe zwischen Maria und Josef das vollkommene Vorbild jeder christlichen Ehe. Sie zeigt, dass Ehe nicht Selbstzweck ist, sondern auf Christus hingeordnet bleibt.

Maria und das Gelübde der Jungfräulichkeit

Eine der größten Gnaden, die Gott der seligsten Jungfrau Maria verlieh, bestand darin, dass er sie die Jungfräulichkeit als Lebensstand erwählen ließ. Nach der Lehre der Kirchenväter legte Maria, die bis zu ihrer Vermählung mit anderen Jungfrauen am Tempel lebte, ein Gelübde der Jungfräulichkeit ab. Der heilige Augustinus bemerkt, dass von ihr die Würde der geweihten Jungfräulichkeit ihren Ausgang nahm. Der heilige Ambrosius nennt sie „die erste ihres Geschlechtes, die die Fahne der heiligen Jungfräulichkeit aufgerichtet hat“.

Bemerkenswert ist, dass es im Alten Bund kein ausdrückliches Gesetz und kein Vorbild für ein solches Leben gab. Maria wusste dennoch, dass diese Lebensform Gott gefiel. Da sie ohne Erbsünde empfangen war, war ihr Wille vollkommen auf den Willen Gottes ausgerichtet. Gott selbst wirkte in ihr die Erkenntnis und den Wunsch nach dieser besonderen Hingabe.

Maria legte dieses Gelübde ab, noch bevor sie wusste, zu welch einzigartiger Aufgabe sie auserwählt war. Dennoch entsprach es den gesellschaftlichen Gegebenheiten Israels nicht, dass eine junge Frau unverheiratet blieb. So wurde Maria mit Josef vermählt, den das Evangelium ausdrücklich als „gerechten Mann“ bezeichnet.

St.JosefDie Erwählung Josefs

Fromme Überlieferungen und mystische Schilderungen, insbesondere aus den Visionen der seligen Anna Katharina Emmerich, beschreiben die Erwählung Josefs auf symbolreiche Weise. Der Hohepriester erkennt im Gebet die Verbindung zur Prophezeiung des Jesaja, nach der aus der Wurzel Jesse ein Zweig hervorgehen werde. Daraufhin werden unverheiratete Männer aus dem Stamm Davids zum Tempel gerufen. Jeder erhält einen Zweig, den er während Gebet und Opfer darbringen soll. Derjenige, dessen Zweig erblüht, soll von Gott zum Bräutigam Mariens bestimmt sein.

Zunächst erblüht keiner der Zweige. Erst als Josef, der zunächst übersehen worden war, in den Tempel gerufen wird, geschieht das Zeichen: Sein Zweig treibt eine weiße Blüte, und ein Licht wie vom Heiligen Geist kommt über ihn. Damit wird er als der von Gott Erwählte erkannt.

Maria nimmt Josef demütig als ihren Bräutigam an, im Vertrauen darauf, dass Gott ihr Gelübde der Jungfräulichkeit bewahren wird. Sie weiß: Bei Gott ist nichts unmöglich.

Die Hochzeit und das gemeinsame Leben

Die Hochzeit Mariens und Josefs wird als feierliches, mehrere Tage dauerndes Fest geschildert. Verwandte, Freunde und Weggefährten nehmen daran teil. Besonders hervorgehoben wird die Würde und Schönheit Mariens sowie die Ehrfurcht, mit der Josef ihr begegnet.

Weitere Überlieferungen berichten, dass Josef bereits in jungen Jahren ein Keuschheitsgelübde abgelegt hatte. Nach der Vermählung versprachen sich beide, in keuscher Gemeinschaft zusammenzuleben. Ihre Ehe war von gegenseitigem Respekt, geistlicher Liebe und vollkommenem Vertrauen auf Gott geprägt.

Joseph begegnete Maria mit solcher Ehrfurcht, dass keinerlei irdische Begehrlichkeit in ihm Raum fand. Von ihrem Antlitz, so heißt es, strahlte ein Glanz göttlichen Lichtes aus, der an Mose erinnerte, als dieser vom Berg Sinai herabstieg.

Heilsgeschichtliche Bedeutung

Mit der Eheschließung Mariens und Josefs war der Grundstein für die heilige Familie gelegt. Jesus würde nun in eine rechtmäßige Familie hineingeboren werden und vor dem Gesetz einen Vater haben. Dadurch konnte er als Sohn Davids anerkannt werden und die messianischen Verheißungen erfüllen.

Darüber hinaus hatte diese Ehe auch eine verborgene heilsgeschichtliche Dimension. Weil Maria verheiratet war, erkannte der Teufel nicht, dass gerade sie die Jungfrau war, die den Erlöser empfangen sollte. In dieser Verborgenheit wurde der Widersacher gleichsam getäuscht. Wie der heilige Bernhard von Clairvaux erklärt, gefiel es Gott, den Menschen auf jene Weise zu erlösen, auf die er gefallen war: So wie durch eine Frau und einen Mann der Sündenfall kam, so sollten durch eine Jungfrau und durch Christus der Sieg über den Teufel errungen werden.

Die Vermählung Mariens mit dem heiligen Josef erweist sich damit als ein Schlüsselgeheimnis der Heilsgeschichte: unscheinbar nach außen, aber von größter Bedeutung für das Kommen des Erlösers und für das Verständnis von Ehe, Jungfräulichkeit und göttlicher Vorsehung.

 

Quellen

Bildquellen