Bayern gehört der Muttergottes
Das Fest Patrona Bavariae erinnert: Seit Jahrhunderten vertraut Bayern auf den Schutz Mariens – besonders in Zeiten von Krieg und Not. Gerade heute ist diese Botschaft aktueller denn je. Lesen Sie, warum dieses Fest mehr ist als Tradition!
Rem, regem, regimen, regionem, religionem, Conserva Bavaris, Virgo Maria, tuis.
„Erhalte, Jungfrau Maria, Deinen Bayern das Hab und Gut, den Herrn, die Regierung, das Land und die Religion.“
Fürbittgebet des Jesuitendichters Jakob Balde (1604–1668), ehemals am Fuße der Münchner Mariensäule zu lesen
Ein Marienfest nur für Bayern
Seit 1917 begehen die Katholiken in Bayern im Mai das Hochfest Patrona Bavariae, ein Fest zu Ehren der Muttergottes als Schutzfrau Bayerns. Am 14. Mai 1917, genau einen Tag nach der ersten Erscheinung in Fatima, fanden die Feierlichkeiten zum ersten Mal in den bayerischen Diözesen statt. Für das Fest wurden ein eigenes Messformular und Brevier-Offizium erstellt.
Doch wie kam es zu diesem Fest? Zunächst einmal: Die Anrufung der Muttergottes als Schutzfrau Bayerns hat eine sehr lange Tradition. Doch die Aufnahme des Festes in die Liturgie geht auf eine konkrete Bitte Ludwigs III. von Bayern (1913–1918, †1921) an Papst Benedikt XV. (1914–1922) zurück.
Ludwig III. fleht in den Schrecken des I. Weltkriegs zu Maria
Ludwig III. von Bayern nahm während des I. Weltkrieges Zuflucht zur Muttergottes und erbat zusammen mit seiner Gattin Marie Therese (1849–1919), einer geborenen Erzherzogin aus dem Haus Habsburg, 1916 von Benedikt XV. ein eigenes Schutzfest Mariens für Bayern. Die Antwort aus Rom war sehr erfreulich und stellte ein schönes Zeugnis für die Marienverehrung in Bayern aus. Die hl. Ritenkongregation erließ am 26. April 1916 ein eigenes Dekret für das Anliegen, das hier trotz der Länge in großen Teilen wiedergegeben wird, da es die lange Tradition der bayerischen Marienverehrung so schön zusammenfasst:
„An hervorragender Liebe und treuer Andacht zur seligsten Jungfrau und Gottesmutter steht das bayerische Volk gewiss keiner katholischen Nation nach. Von dem ausgezeichneten Eifer nämlich, womit es seit alten Zeiten die Gottesmutter inständig verehrt, zeugen sehr viele Gotteshäuser, die vom 8. und 9. Jahrhundert an, zu Ehren der Gottesgebärerin in Städten und Ortschaften Bayerns errichtet wurden und vielfach durch ihren mächtigen Bau und künstlerischen Schmuck hervorragen. Zeugen sind ferner zahlreiche marianische Kongregationen, denen manche Glieder der Königsfamilie beizutreten pflegen. (…)

Höchst beachtenswert aber ist es, dass das katholische Bayernvolk nach dem Beispiele seiner Herzöge und Kurfürsten, vor allem aber nach dem Vorgange Maximilians I. aus dem Hause Wittelsbach, seit dem Jahre 1620 die Sitte aufnahm, die Mutter Gottes unter dem Titel ,Patronin Bayerns‘ anzurufen und mit inniger Liebe zu verehren. Um nun die besondere Hilfe der Gottesmutter in den Bedrängnissen dieses schon so lange währenden Krieges zu erflehen und um Bayerns Volk unter den steten Schutz des Himmels zu stellen, hat König Ludwig III. von Bayern zugleich mit seiner Gemahlin, der Königin Maria Theresia, nach frommem Beispiele seiner Ahnen und im Hinblicke auf die edlen Wünsche vieler Katholiken seines Reiches es unternommen, durch Seine Eminenz Kardinal Andreas Frühwirth, Apostolischen Pronuntius in Bayern, von Seiner Heiligkeit Papst Benedikt XV. zu erlangen, erstens, dass die allerseligste Jungfrau und Gottesmutter Maria als Hauptpatronin der Bayern durch den Apostolischen Stuhl erklärt werde, zweitens, dass ein besonderes Fest dieser Jungfrau Maria unter dem Titel Patrona Bavariae alljährlich im Marienmonate, am 14. Mai, in ganz Bayern gefeiert werden dürfe unter einem entsprechenden Ritus und mit einem besonderen Offizium. Der Heilige Vater Papst Benedikt XV. hat diese sehr willkommenen Wünsche […] äußerst liebevoll entgegengenommen. Kraft seiner Vollgewalt hat er die seligste Jungfrau und Gottesmutter Maria zur Hauptpatronin des ganzen Königreiches Bayern ausdrücklich erklärt und erhoben […]. Ebenso hat er gewährt, dass in allen Diözesen des bayerischen Königreiches alljährlich am 14. Mai das Fest der seligsten Jungfrau Maria unter dem Titel Patrona Bavariae gefeiert werde.“
In das Festoffizium wurde das eingangs erwähnte Gebet aufgenommen: Rem, regem, regimen, regionem, religionem, Conserva Bavaris, Virgo Maria, tuis. „Erhalte, Jungfrau Maria, Deinen Bayern das Hab und Gut, den Herrn, die Regierung, das Land und die Religion.“ Um dem Volk eine Teilnahme an der Messfeier zu erleichtern, wurde das Fest mehrmals verschoben. Zuerst auf den Sonntag in der Oktav von Himmelfahrt und ab 1927 dann auf den ersten Samstag im Mai. Im Zuge der Liturgiereform wurde das Fest im Jahr 1970 auf den 1. Mai verschoben. Die Feier im Rahmen der Tridentinischen Messe bleibt von dieser Änderung auch nach 1970 natürlich unberührt.
Schutzfrau Bayerns – ein jahrhundertealter Titel
Der Titel „Patrona Bavariae“ ist natürlich viel älter als das liturgische Fest, wie es seit 1917 existiert. Der Münchner Historiker Prof. Dr. Dieter J. Weiss weist darauf hin, dass die marianische Frömmigkeit bei den Herrschern im 16. Jahrhundert eine große Rolle spielte und dass diese nach der Reformation zusätzlich Bekenntnischarakter gewann und sich weiter vertiefte. Herzog Wilhelm V., genannt der „Fromme“, unternahm regelmäßig Fußwallfahrten und sein Sohn Maximilian folgte ihm in seiner marianischen Frömmigkeit. Zu Beginn seiner Regierungszeit lief er zu Fuß zum Marienwallfahrtsort Altötting, um sein Land der Muttergottes anzuempfehlen.
Während des Dreißigjährigen Krieges stellte Herzog Maximilian als Anführer der katholischen Liga seine Truppen unter den Schutz der Gottesmutter. Der Sieg in der Schlacht am Weißen Berg vor Prag am 8. November 1620 über die Anhänger des böhmischen Gegenkönigs und Pfälzer Kurfürsten Friedrich V. schrieben er und das bayerische Volk der Hilfe Mariens zu. Seit 1623 ließ Maximilian daher Marientaler mit der Aufschrift „Schild für alle, die auf dich hoffen“, prägen. Auch den Alltag der Untertanen versuchte er marianisch zu prägen, indem er anordnete, dass jeder den Rosenkranz tragen und sich beim Läuten zum „Engel des Herrn“ auch in der Öffentlichkeit zum Gebet niederknien sollte.
Die Mariensäule in München: Dank für Schutz im Dreißigjährigen Krieg
Prof. Weiss erinnert an die Bedeutung der Mariensäule in München: In der Notzeit des schwedischen Einfalls hatte Maximilian I. 1632 gelobt, ein gottgefälliges Werk zu vollbringen, wenn München – seine Haupt- und Residenzstadt – und Landshut vor einer Zerstörung bewahrt würden. 1638 ließ er dann auf dem heutigen Marienplatz die Mariensäule als Votivgabe aufrichten. Als Vorbild diente die Mariensäule in Rom, die 1614 Papst Paul V. auf der Piazza vor S. Maria Maggiore hatte aufstellen lassen. Am 7. November 1638 wurde die Mariensäule durch den Fürstbischof von Freising gesegnet.
Die Mariensäule zeigt folgende Darstellung der Muttergottes: Maria hält in der rechten Hand ein Szepter, in der linken Hand hält sie das segnende Jesuskind mit der Weltkugel in der Hand. Ihr Haupt ziert eine Krone, die in einer silbernen Kapsel Reliquien birgt. Bei der Segnung fügte der Fürstbischof von Freising eine silberne Kapsel in die Krone ein, die einen Dorn der Dornenkrone Christi enthält. Maria steht auf einem Halbmond. Ihr zu Füßen stehen mehrere Putten, die mit Helm, Panzer, Schwert und Pfeil zum Kampf gerüstet sind gegen verschiedene Feinde, die als Natter, Basilisk, Löwe und Drache dargestellt werden. Diese Feinde bedeuten die vier großen Plagen der Menschheit, die Maria vom Volk abwenden soll: Häresie, Pest, Krieg und Hunger.
Ja, die Mariensäule mit ihren Szenen des Kampfes ist eine Darstellung aus alter Zeit. Doch in einer Zeit, die immer unsicherer zu werden scheint, in der wir in den Medien täglich von Kriegen, Not und Hass hören, in einer Zeit des Glaubensabfalls und der Orientierungslosigkeit, ist es umso wichtiger, dass wir unsere Zuflucht zur Muttergottes nehmen. Das Heil der Seelen ist dabei das weitaus größere Ziel als die Bewahrung vor Krieg und Hunger. Möge Maria das bayerische Volk aus drohenden Gefahren erretten und es im Glauben erneuern! Denn Maria wird auch heute helfen, wenn man sie nur darum bittet. Das Gebet zur Patrona Bavariae ist ein Auftrag ganz besonders an die bayerischen Ritter der MI und diejenigen, die mit Bayern besonders verbunden sind.
Quelle:
https://fsspx.de/de/news/schutzfrau-bayerns-100-jahre-patrona-bavariae-16477
Bildquellen:
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Joachim_von_Sandrart_-_Maximilian_I,_Elector_of_Bavaria.jpg
https://de.wikipedia.org/wiki/Mariens%C3%A4ule_(M%C3%BCnchen)
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Richard_Wagner_M%C3%BCnchen_Marienplatz_Mariens%C3%A4ule.jpg




