Was erwartet uns in der ewigen Herrlichkeit? Die Heiligen haben alles Irdische geringgeachtet, um Gott zu gewinnen und unsterbliche Seelen für den Himmel zu retten. Ein Blick auf die himmlische Freude, die Liebe zu unseren Verstorbenen und das große Ziel unseres Lebens: die ewige Vereinigung mit Gott. Möge die Himmelskönigin uns helfen, diesem Ziel treu entgegenzugehen!
Kein Auge hat es gesehen, kein Ohr hat es gehört und in keines Menschen Herz ist gedrungen, was Gott denen bereitet, die ihn lieben. (1 Kor 2,9)
Grenzenlos ist der Jubel der Heiligen im Himmel, ihr ganzes Wesen ist erfüllt von Frieden, Freude und Liebe zu Gott und allen anderen Mitbewohnern der himmlischen Herrlichkeit. Aber wie uns die Hl. Schrift versichert, vermag niemand in menschlichen Worten dieses unfassbare Glück zu beschreiben.
Die Heiligen versichern uns, dass wir vor Sehnsucht sterben müssten, wenn wir Gott auch nur für einen kleinen Augenblick schauen könnten. Für unsere Seele wäre es unerträglich, von Gott getrennt zu sein.
Manchmal durften Heilige, wie einst die drei Apostel auf dem Berge Tabor, durch einen Schleier hindurch einen kleinen Schimmer dieses Glanzes göttlicher Liebe erblicken und erahnen. Eine solche Erfahrung ließ die Seele so tief von der göttlichen Gegenwart berührt werden, dass sie diesen Ort der Gnade und diesen Zustand inniger Vereinigung mit Gott am liebsten nie mehr verlassen hätte. Zum Herrn, dessen Angesicht leuchtete wie die Sonne und dessen Kleider weiss waren wie Schnee, sprach Petrus: «Herr, hier ist gut sein für uns. Willst du, so wollen wir hier drei Hütten bauen … (Mt 17,5)
Was sagt uns die Liturgie
In der altehrwürdigen römischen Liturgie heißt es in der Lesung dieses Tages, nachdem zunächst von den Auserwählten aus den zwölf Stämmen Israels die Rede war – jeweils 12.000 aus jedem Stamm –: «… Hierauf sah ich eine grosse Schar, die niemand zählen konnte, aus allen Völkern und Stämmen und Nationen und Sprachen. Sie standen vor dem Thron und vor dem Lamme, angetan mit weissen Gewändern, und mit Palmen in den Händen. Sie riefen mit lauter Stimme: Heil unserem Gott, der da auf dem Throne sitzt, und dem Lamme! …»
Und im Weiteren legt das Evangelium dieses Festtages dar, wie wir auch zu jenen gelangen, angetan mit weissen Gewändern (Taufkleid!) und mit (Sieges)Palmen. Nämlich indem wir aufrichtig danach streben, was der Herr in der Bergpredigt verkündet:
«Selig die Armen im Geiste, denn ihrer ist das Himmelreich. Selig die Sanftmütigen, denn sie werden das Land (der Verheissung) besitzen. Selig die Trauernden, denn sie werden getröstet werden. Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit, denn sie werden gesättigt werden. Selig die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen. Selig, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen. Selig die Friedfertigen, denn sie werden Kinder Gottes genannt werden. Selig, die Verfolgung leiden um der Gerechtigkeit willen, denn ihrer ist das Himmelreich. Selig seid ihr, wenn euch die Menschen schmähen und verfolgen und verleumderisch alles Böse gegen euch reden um Meinetwillen: freut euch und frohlockt, denn euer Lohn ist gross im Himmel.»
Die Liebe zu den Seelen
Unter der Schar der Heiligen ragt zweifellos eine bedeutende Zahl jener hervor, die durch den feierlichen Ausspruch der Kirche heiliggesprochen wurden oder durch eine besonders ausgeprägte Verehrung seitens des gläubigen Volkes als Heilige bekannt sind. Bei aller Unterschiedlichkeit dieser Persönlichkeiten und Gestalten der Kirche darf man fragen, worin besteht ihre besondere Auszeichnung:
Alle diese Seelen waren erfüllt von der Liebe zu den unsterblichen Seelen ihrer Mitmenschen.
Beim hl. Don Bosco hing über der Tür seiner Kammer der Ausspruch: «Da animas, cetera tolle!» Herr, gib Seelen, das andere nimm!»
Und als besorgte Mitbrüder Pater Kolbe baten, sich doch etwas auszuruhen, da ihm die Erschöpfung anzusehen war, antwortete er nur: «Ich lebe nur für die Seelen.» Er gedachte sich im Himmel auszuruhen. Aber für jetzt kannte er keine Schonung für sich, galt es doch, Seelen für Gott zu gewinnen und diese vor der ewigen Verdammnis zu bewahren. Wie ernst es ihm damit war, zeigt sein freiwilliger Tod für einen anderen Mitgefangenen im KZ Auschwitz 1941.
Vom hl. Dominikus wird berichtet, dass er (nachts) ausgestreckt auf dem Boden lag und ausrief: «Was wird bloss aus den armen Sündern werden?[1]» Dank seines rastlosen Einsatzes konnte er viele irregeführte Seelen (Katharer und Albigenser) zur Kirche zurückführen. Dazu überreichte ihm die Gottesmutter den Rosenkranz.
Der hl. Damian de Veuster (1840 – 18898) ging freiwillig auf die Leprainsel Molokai. Die damals unheilbare Krankheit Lepra verurteilte die Menschen zum Siechtum auf einer Insel, ausgeschlossen von der menschlichen Gemeinschaft und medizinischer Versorgung, gleichzeitig abgeschnitten von den Sakramenten und geistlichem Beistand. Alles aus Liebe zu den Seelen!
Der hl. Pfarrer von Ars, der den ganzen Tag im Beichtstuhl verbrachte, geisselte[2] sich abends, um dadurch zu ergänzen, was seinen Beichtkindern an aufrichtiger Reue über ihre Sünden noch gefehlt hat. In den Heiligen wird die Liebe Gottes zu uns Sündern sichtbar, sodass einmal eine Frau über den Pfarrer von Ars ausgesagt hat: «Ich habe Gott in einem Menschen gesehen.»
Man könnte die Liste weiterführen mit den Kindern von Fatima, mit der hl. Theresia vom Kinde Jesu und und und …
Begegnung mit den Heiligen und unseren Lieben
Unsere christliche Hoffnung ist es, dass wir dereinst unseren eigenen Lieben, so vielen als möglich, in der Herrlichkeit des Himmels begegnen – Vater, Mutter, Kinder, Grosseltern, Verwandten, Nachbarn, Freunden, ehemaligen Schulkameraden, Arbeitskollegen …. Wir werden erkennen, wer für uns gebetet hat und uns geholfen hat, unser ewiges Ziel zu erreichen. Wir werden erkennen, für wen wir Werkzeug der göttlichen Vorsehung waren und helfen durften, dass dieser oder jener glücklich in die ewige Heimat gelangt ist.
Wir werden die Priester sehen, die uns getauft und zu Kindern Gottes gemacht haben. Wir werden sehen, wie sie in der Feier der hl. Messe uns viele wertvolle Gnaden vom Himmel erwirkt und im Beichtstuhl von unseren Sünden freigesprochen haben. Wir werden sehen, dass ihre gesalbten Hände erstrahlen, da sie von Gott erwählt waren, Gott auf die Erde zu bringen und uns das hl. Fleisch und Blut seines Sohnes zu reichen. Wir werden die Priester sehen, die an unserem Sterbebett waren, um uns nicht unvorbereitet in die Ewigkeit zu entlassen.
Wir werden vor allem aber die Königin des Himmels mit ihrem göttlichen Kind sehen, wie ihre fürbittende Allmacht uns vor dem (endgültigen) Sumpf der Sünde bewahrt hat, wie ihr göttlicher Sohn in seinem Licht die Quelle aller Herrlichkeit und Heiligkeit ist.
Und was ist mit jenen, die die Wege Gottes verlassen haben und nicht umgekehrt sind. Wir werden erkennen, dass die Schuld bei ihnen alleine liegt, dass Gott alles versucht hat, sie zur Umkehr zu bewegen … unergründliches Geheimnis der Bosheit.
Der hl. Thomas von Aquin sagt, dass eine unsterbliche Seele mehr wert ist als die ganze Schöpfung.
Möge das Fest Allerheiligen in uns die Sehnsucht nach dem Himmel neu entfachen und unseren Eifer für das Heil der Seelen stärken. Bitten wir alle Heiligen, besonders die allerseligste Jungfrau Maria, uns zu ihren aufrichtigen, unermüdlichen Streitern zum Heile der Seelen zu machen und uns auf dem Weg zur ewigen Heimat zu begleiten. Denn nichts soll uns wichtiger sein, als dereinst Gott von Angesicht zu Angesicht zu schauen und mit allen, die wir lieben, für immer in seiner Herrlichkeit vereint zu sein.
[1] https://fsspx.ch/de/news/zahlreiche-berufungen-fuer-das-wunderbare-werk-der-erziehung-22361
[2] Dies können und sollen wir nicht nachahmen, aber wir sollen und dürfen dankbar staunend Gott danken für seine in den Heiligen sichtbar gewordene Liebe zu uns Sündern.
Bilderquellen:
Fra Angelico – Originall/Users/Elmar/Downloads/All-Saints.jpgy from en.wikipedia; Gemeinfrei
https://katholisches.info/tawato/uploads/2018/11/Allerheiligen-Eyck.jpg
https://uploads8.wikiart.org/images/fra-angelico/the-coronation-of-the-virgin-1435.jpg!Large.jpg




