Unter dem Kreuz wurde Maria auch unsere Mutter. Inmitten ihrer unsagbaren Schmerzen nahm sie uns als ihre Kinder an – und führt uns bis heute zu ihrem göttlichen Sohn.
Lesen oder hören Sie unseren heutigen Artikel zum Fest der Mutterschaft Mariens!
In der natürlichen Ordnung unserer Welt hat Gott es seit dem Sündenfall so eingerichtet, dass eine Mutter das Kind unter Schmerzen gebiert. Auch nach der Geburt verlangen die ersten Lebensjahre des Kindes der Mutter vieles an Opfer und Mühe ab.
In der übernatürlichen Ordnung des Himmels findet sich ein übereinstimmender Tatbestand. Auch im Himmel schenkt uns Gott eine Mutter, die durch unvorstellbare Schmerzen unter dem Kreuz ihres göttlichen Sohnes, uns als Miterlöserin geistigerweise zu Kindern des Himmels gebiert. Gott hat ihr anvertraut, als universale Gnadenmittlerin die Zuflucht der Sünder und Mutter der Barmherzigkeit zu sein.
Was tut ein liebendes Mutterherz für ihr Kind, wenn sie es in Gefahr weiss? Und in Gefahr sind wir tatsächlich alle, denn eine einzige schwere unbereute Sünde würde uns die ganze Ewigkeit von Gott trennen.
Die Mutter bringt ihr Kind in Sicherheit – sie führt es unter das Kreuz
Die Mutter bringt es dorthin, wo sie das Kind in Sicherheit weiss – nämlich zu ihrem Sohn, zu seiner heiligen Kirche und zu dem von ihm gestifteten Sakramenten. Vorzüglich wird Maria es zur heiligen Messe führen, denn dort geschieht das wahrhaft göttliche Werk unserer Erlösung. Dort berührt der Himmel die Erde. Die Messe ist die unblutige Erneuerung und Vergegenwärtigung des Kreuzesopfers unseres Herrn durch alle Zeiten hindurch. In dieser erlangt uns der Heiland beim himmlischen Vater Verzeihung unserer Sünden und alle Gnade[1], wieder als Kind Gottes, Kind des himmlischen Vaters angenommen zu werden.
Berühmt ist das Wort von Padre Pio[2] «Eher könnte die Welt ohne Sonne bestehen als ohne heiliges Messopfer». Und vom hl. Johannes Chrysostomos stammt das Wort «Soviel gilt die heilige Messe wie der Tod Christi am Kreuz.»[3]
Und in den Katechesen des hl. Pfarrers von Ars heisst es mit wunderbarer Tiefe:
«Alle guten Werke zusammen haben nicht so grossen Wert als ein hl. Messopfer; denn es sind menschliche Werke. Die hl. Messe aber ist ein göttliches Werk. Im Vergleich damit ist das Martyrium nichts, denn hier opfert ein Mensch sein Leben für Gott. Die Messe aber ist das Opfer, welches ein Gott mit Seinem Fleisch und Blut für den Menschen bringt.
O, wie ist der Priester etwas so Grosses! Wenn er sich begriffe, so würde er sterben. Gott gehorcht ihm. Er spricht einige Worte, und unser Herr steigt auf diese Worte vom Himmel hernieder und verbirgt sich unter dürftiger Brotsgestalt. Gott wendet seinen Blick auf den Altar: ‘Dies ist mein geliebter Sohn’, spricht er, ‘an dem ich mein Wohlgefallen habe.’ Den Verdiensten dieses Opfers kann er nichts versagen. Hätte man Glauben, man würde Gott im Priester verborgen sehen. …»[4]
Letztere Worte erinnern an einen anderen Heiligen, nämlich Pater Reus (1868 – 1947) Dieser trug unsichtbar die Stigmata und musste auf Befehl seiner Oberen sein Leben und damit die ihm geschenkten Gnaden und Visionen (vorwiegend beim hl. Messopfer) aufschreiben.
«So berichtet er z.B. am 7. August 1937: Besonders bei der heiligen Wandlung sah ich wieder die lichte Hand des göttlichen Heilands, wie er alle Zeremonien mit mir und in mir machte; ich fühlte die Schwere seines heiligen Armes in meinem Arm. Besonders beim Pater Noster hörte ich ganz klar, wie zwei Stimmen die gleichen Worte sprachen, nämlich meine Stimme und die Stimme des göttlichen Heilands.[5] …
So schilderte Pater Reus am 16. Juli 1939, was er am Altar erlebte: In der hl. Messe sah ich gleich von Anfang an den lieben Heiland, ans Kreuz geheftet, in Lebensgrösse vor mir. Er sprach mit mir die Worte der hl. Messe, soweit ich dies beobachten konnte. Ich sah ganz deutlich, wie seine heiligen Lippen sich bewegten und wie er seine heiligen Augen (wenigstens einmal) im Gebet nach oben richtete. …. und am 17. September 1944 sah P. Reus schon bei Beginn der hl. Messe auf dem Altar den Heiland mit der Dornenkrone und mit gefesselten Händen. So blieb es, mit Unterbrechungen die ganze Messe hindurch. – Nach der Überzeugung des Paters war diese Vision nur ‘der Ausdruck der Wahrheit, dass Gottes Sohn, gebunden in den hl. Gestalten, sich hinopfert für uns und unsere Gegenliebe erwartet.»[6]
Jesus schenkt uns seine heilige Mutter
Was Jesus einst auf Golgotha testamentarisch verfügt hat, «Frau, siehe da, dein Sohn» das wiederholt sich in der heiligen Messe, wenn denn auch wir bereit sind, Maria als Mutter anzunehmen. Niemand kann die Schmerzen ermessen, die Maria dort bei diesem grausamen Geschehen erlitten hat, aber ebenso kann niemand ermessen, mit welcher Liebe und Hingabe sie bereit ist, uns als Kinder anzunehmen, wie viele Gnaden sie uns vermitteln möchte, um uns auf den Weg zum Himmel zu führen.
«Am 24. und 25. August 1946 las P. Reus die Tagesmessen, aber mit der Meinung, das Unbefleckte Herz Mariens zu ehren. Beide Male erhielt er eine beglückende Bestätigung dieser Meinung. Am ersteren Tage schrieb er: ‘Vor der Allerheiligsten Dreifaltigkeit sah ich die liebe Mutter Jesu. Aus ihrem Herzen fielen Strahlen auf mich, die aber gleich darauf sich in Liebesflammen änderten. Die Strahlen fielen nun aus ihren gütigen Händen auf mich hernieder … Ein wunderschöner Anblick war die Konsekration. Ich sah, wie Maria mit einem unbeschreiblich freundlichen, liebevollen Wohlgefallen auf das Jesuskindchen schaute, das für mich sichtbar in der heiligen Hostie war und zu ihrer Ehre sich der Allerheiligsten Dreifaltigkeit aufopferte.[7] …
Am 1. Oktober 1941: ‘Als ich zu den Worten (Anmerkung: bei den Schlussgebeten der hl. Messe) gekommen war: nobis post hoc exilium ostende (nach diesem Elende zeige uns), konnte ich nicht mehr weiter Ich sah die Mutter Gottes, wie sie mit beiden Händen mir das Jesuskind zeigte. Ringsum heilige Engel, der Hofstaat der Königin und ihres göttlichen Kindes. … Womit ich diese Huld verdient haben soll, ist mir ein Rätsel. Jedenfalls bin ich ihr von Herzen dankbar. Ich muss dies schreiben, auch um der lieben Mutter willen, damit man erkenne, wie gut sie gegen die Sünder ist.[8]»
Und wir – wir können der Mutter Gottes wohl am besten danken, wenn auch wir uns aus ganzem Herzen um ein heiligmässiges Leben bemühen – zur Ehre Gottes und zum Heil unserer Mitmenschen.
Bildquelle:
Titelbild – KI-generiert
1: By Hendrik Goltzius – Staatliche Kunsthalle Karlsruhe, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=98819198
2: Von Jan van Eyck – Staatliche Museen zu Berlin, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=164565909
[1] Wir erlangen auch die Gnade für eine aufrichtige Beichte, um alle Ketten der Sünde abzuschütteln und im Fall einer Todsünde wieder in der Gnade – als Kind Gottes! – zu leben.
[2] Padre Pio ist der einzige Priester der gesamten Kirchengeschichte, der die sichtbaren Wundmale unseres Herrn trug. Der heilige Franz von Assisi war «nur» Diakon. Er hielt sich für unwürdig, die Priesterweihe zu empfangen.
[3] Siehe Gebetsschatz von Pfarrer Weigl S.447
[4] Hl. Pfarrer von Ars KATECHESEN Rex Regum 2003 S.24
[5] P. Ferdinand Baumann «P. Reus S.J. Ein Apostel des Herzens Jesu» Verax Verlag S.442
[6] p. Reus S.453
[7] P. Reus S. 530
[8] P. Reus S.534





