Was hat das Fest Maria Namen mit einer Schlacht zu tun?
Das Fest Maria Namen erinnert an die Belagerung Wiens im Jahre 1683. Vor den Toren der österreichischen Hauptstadt lagerte ein gewaltiges Heer des osmanischen Reiches[1]. Der Grosswesir Kara Mustafa, Anführer des osmanischen Heeres, hatte sich vorgenommen, Wien (auch genannt ‘der goldene Apfel’) zu erobern[2] und dann nach Rom zu marschieren, wo er den Petersdom zu seinem Pferdestall machen wollte.
Doch es sollte anders kommen. Denn Maria ist die Siegerin in allen Schlachten. Und Papst Innocenz XI, der die drohende Gefahr erkannt hatte, handelte.
Historisches
Lassen wir hierüber Pater Stefan Frey zu Wort kommen, der 2022 anlässlich einer feierlichen Marienprozession mitten in Wien zum Fest Maria Namen und seiner Geschichte gesprochen hat[3]:
«… In einer Zeit der höchsten Bedrohung ganz Europas und der größten Gefahr für das abendländische Christentum, angesichts des übermächtigen osmanischen Heeres, welches ganz Europa in Angst und Schrecken versetzte und in einer Lage, die völlig aussichtslos schien, wusste das damalige Oberhaupt der Christenheit, wo die Rettung zu suchen ist. Der selige Papst Innozenz XI. rief die gesamte Christenheit zu einem Gebetssturm auf: In Rom wurde in allen Kirchen und Klöstern der Rosenkranz gebetet und an unzähligen anderen Orten in Europa sollten Bittprozessionen abgehalten werden. Die Antwort des Himmels auf die Gebete der Bevölkerung ließ nicht lange auf sich warten: Pater Marco d’Aviano wurde zum päpstlichen Legaten des christlichen Heeres ernannt, er war Freund und Berater des Kaisers und ein glühender Verehrer der Gottesmutter, dem der Ruf der Heiligkeit vorauseilte, er sollte zu einer Schlüsselfigur in dieser Situation werden. Pater Marco war nicht nur ein kluger Stratege, sondern vor allem Seelsorger. Er bereitete die Soldaten in einer übernatürlichen Weise auf die Schlacht vor, rief sie zu Reue und Buße auf, aber auch zum Vertrauen, zu Mut und Tapferkeit. Am Morgen vor der Schlacht feierte er das heilige Meßopfer und bestärkte die Streiter durch seine Predigt. Auf seinen Wunsch hin wurde die gesamte Armee des Kaisers, des polnischen Königs und des bayrischen Kurfürsten unter das Banner der Gottesmutter gestellt. Unmittelbar danach begann die Schlacht und P. Marco war mitten im Getümmel, stets mit dem erhobenen Kreuz in der Hand, betend und die Soldaten segnend und stärkend. Am Abend war der Sieg errungen, Wien und das ganze christliche Abendland waren gerettet.
Diese wunderbare Befreiung Wiens offenbart uns unübersehbar die Macht der Gottesmutter. Viele Jahrhunderte hindurch handelten die christlichen Herrscherhäuser aus ihrem Glauben an das universale Königtum Christi und seine hochheilige Mutter. Ihr hatten sie ihre Völker geweiht, ihr das Schicksal der Menschen anvertraut. Von dieser urkatholischen Glaubensüberzeugung haben sich heute die Völker Europas meilenweit entfernt. Zu ihrem größten Nachteil haben sie die milde Herrschaft Christi und seiner Mutter zurückgewiesen. Der daraus resultierende Schaden tritt Tag für Tag immer dramatischer ans Licht.
An uns gläubigen Katholiken liegt es, das glorreiche Beispiel unserer Vorfahren nachzuahmen. Die Not der heutigen Zeit ist vielleicht größer denn jemals zuvor, aber gerade diese Bedrohungen sollten uns drängen, voll Vertrauen zur Retterin der Christenheit zu eilen. Greifen wir zu den übernatürlichen Mitteln, beten wir treu den Rosenkranz, tun wir ernsthaft Buße, beteiligen wir uns an den öffentlichen Rosenkränzen und versuchen wir, andere dazu zu gewinnen. Auf diese Weise haben unserer Vorfahren immer den Beistand Gottes und die Hilfe Mariens erfleht und erlangt.»
Soweit die Ausführungen von Pater Frey.
Die unergründliche Weisheit und die unfehlbare Vorsehung Gottes
Bei Gott gibt es keinen Zufall. Natürlich sieht er die Gefahren, denen seine Kinder und seine Kirche ausgesetzt sind, schon von Ewigkeit her, und er greift beschützend und vorsorgend ein, wenn die Menschen seine Gnade nicht zurückweisen. Woran lässt sich in dieser großen Gefahr erkennen, mit welcher Weisheit Gott auch hier Vorsorge getroffen hat?
- Zum einen an der Person des österreichischen Kaisers Leopold I. (1658–1705): Ursprünglich mit dem Wunsch, Priester zu werden, musste er mit 18 Jahren die Krone des Reiches übernehmen, da sein Bruder Ferdinand verstorben war. Bereits in jungen Jahren hatte dieser zweifellos fromme Kaiser keinen innigeren Wunsch, als sein Reich und sein Volk in Altötting unter den Schutz der Himmelskönigin zu stellen, damit sie ihre schützende Hand gegen die Feinde halte.
- Zum anderen fand der Kaiser in der Person des (selig gesprochenen) Kapuziners Marco d’Aviano einen äußerst klugen und aufrichtigen Freund und Berater. 1680 lernten sich die beiden kennen und schätzen. 1683 stand der Kapuzinermönch als Feldprediger dem Kaiser zur Seite. Dem Kapuzinerpater eilte der Ruf voraus, ein Wundertäter zu sein. Tatsächlich wurden auf seinen Segen hin Kranke geheilt. Es existieren Berichte der besiegten Osmanen, dass sie geflüchtet seien, als sie einen riesigen Mönch mit hoch erhobenem Kreuz erblickten. Dieser schien immer größer zu werden, bis er den Himmel erreichte.
Eine weitere Person in der Vorsehung Gottes ist der polnische König Jan Sobieski. Bereits zehn Jahre zuvor musste er gegen die Osmanen kämpfen, um den polnischen Staat zu retten. Dieser tapfere König erkannte die Gefahr sehr klar und obwohl er kein Freund des Kaisers war, sah er die Notwendigkeit, diesem in der Abwehr gegen den gefährlichen Feind beizustehen. Sein erster Versuch, ein Bündnis mit dem Kaiser einzugehen, scheiterte am Veto des Sejm, des polnischen Adelsparlaments. Daraufhin pilgerte er nach Tschenstochau und weihte sein Schwert der Mutter Gottes. Und als ob Gott uns sagen wollte: Wenn meine Mutter bittet, wird es (immer) gelingen. Bei der zweiten Abstimmung am 30. März 1683 erhielt Sobieski die einmütige Unterstützung des polnischen Adels. Am Tag der Himmelfahrt Mariens brach er mit seinem Heer auf, um dem Kaiser beizustehen. Als militärischer Oberbefehlshaber des Entsatzheeres konnte er einen überwältigenden Sieg über die osmanischen Truppen feiern. Am frühen Morgen – vor den Kampfhandlungen – ministrierte der König bei der Messe, deren Zelebrant Pater Marco d’Aviano war.- Eine letzte Person, die Gott der Christenheit in dieser Zeit geschenkt hat, ist der selige Papst Innozenz XI. Er sorgte für die Gebete der Christenheit (den Rosenkranz), unterstützte mit finanziellen Mitteln, entsandte Pater Marco d’Aviano nach Wien und führte – noch im selben Jahr 1683 – das Fest Maria Namen ein, als Dank für die wunderbare Befreiung aus größter Gefahr.
Vor der unergründlichen Weisheit und Vorsehung Gottes kann man nur staunend und anbetend auf die Knie fallen und ihm aus ganzem Herzen danken.
Dank an die Himmelskönigin
Selig preisen dich alle Geschlechter, durch alle Zeiten, durch alle Völker. Denn du kannst als Mutter deine Kinder nicht vergessen. Unter dem Kreuz littest du Geburtsschmerzen, damit auch wir zu Kindern Gottes werden und treu befunden werden im Dienst für deinen göttlichen Sohn und Erlöser.
Und im Buche Judith bejubelt das Volk Israel vorbildhaft auch die Himmelskönigin, da die fromme Judith, die dem Holofernes den Kopf abgeschlagen hat, zweifellos ein Vorbild für Maria ist. Die heilige Jungfrau aber ist die Siegerin in allen Schlachten, die dem Feind des Menschengeschlechts, dem Satan den Kopf zertreten hat.
[1] Schätzungen gehen von annähernd 200.000 Soldaten aus.
[2] Es ist geschichtlich nicht uninteressant, wie so eine damalige Kriegserklärung ausgesehen hat:
https://www.projekt-gutenberg.org/reck/grobbrie/chap009.html
Sultan Muhamed IV. an Kaiser Leopold I. und Johann Sobieski von Polen
1683, vor der Belagerung von Wien
Von Gottes Gnaden, des im Himmel waltenden Gottes verpfänden Wir, Mula Muhamed, glorreicher und allmächtiger Kaiser von Babylonien und Judäa, vom Orient und vom Occident, König aller irdischen und himmlischen Könige, Großkönig von Arabien und Mauretanien, Gebieter und Herr vom Grabe des gekreuzigten Gottes der Ungläubigen und ruhmgekrönter König von Jerusalem Dir, römischem Kaiser und Dir, polnischem König und allen Euern Anhängern Unser heiligstes Wort, daß Wir im Begriffe sind, Euere Ländchen mit Krieg zu überziehn.
Und führen Wir mit Uns dreizehn Könige mit einer Million und dreihunderttausend Kriegern an Fußvolk und Reiterei und werden, Kaiser, Dein Ländchen mit solchem Heere, von dem weder Du noch Deine Anhänger je eine Vorstellung gehabt, ohne Gnade und Barmherzigkeit von Hufeisen zertreten und dem Feuer und dem Schwerte überantworten lassen.
Vor allem befehlen Wir Dir, in Deiner Residenzstadt Wien Uns zu erwarten, damit Wir dort Dich köpfen können, und tue auch Du, kleines Königlein von Polen desgleichen! Sammt allen Deinen Anhängern werden Wir Dich vertilgen und Gottes allerletztes Geschöpf, soweit es nur ein Ungläubiger ist, von der Erde verschwinden lassen. Groß und Klein werden Wir zunächst der grausamsten Marter aussetzen und dann dem schändlichsten Tode überantworten. Dein lächerliches Reich will Ich Dir fortnehmen und von der Erde fortfegen Dein ganzes Volk.
Dich und den König von Polen werden Wir so lange leben lassen, bis Ihr Euch werdet überzeugt haben, daß Wir alles Angekündigte erfüllten. Dies zur Darnachachtung.
Gegeben in Unserer Haupt- und Residenzstadt Stambul, in Unsrem vierzigsten Lebensjahre und im achtundzwanzigsten Unserer Allmächtigen Regierung.
Muhamed.
[3] https://fsspx.de/de/news/maria-namen-feier-2022-wien-6079
Bilderquellen
- Jan III Sobieski Sending Message of Victory to the Pope, after the Battle of Vienna. – Gemeinfrei, via wikimedia.org
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Gedenktafel an der Leopoldsbergkirche im 19. Wiener Gemeindebezirk Döbling an die heilige Messe vom 12. September 1683 vor der Entsatzschlacht im Zuge der Zweiten Wiener Türkenbelagerung. Urheber C.Stadler/Bwag, Creative-Commons-Lizenz, via wikimedia.org
- Gnadenbild Mariahilf, Innsbruck – Von Lucas Cranach der Ältere – http://www.stclemens.de/html/hauptteil_neuigkeiten.html (nicht mehr vorhanden), Gemeinfrei, via wikimedia.org




