„Und auch deine eigene Seele wird ein Schwert durchdringen …“ (Lk 2,35)
Sieben Schwerter – sieben Schmerzen, die tief in das Herz Mariens drangen. Aus Liebe zu ihrem Sohn und aus Liebe zu uns hat die Gottesmutter unsagbar gelitten.
Wie können wir ihre Schmerzen betrachten – und unsere himmlische Mutter dadurch trösten?
Die Kirche begeht das Fest zum Gedenken an die sieben Schmerzen Mariens am 15. September. Dieser Festtag wurde bereits im 17. Jahrhundert vom Servitenorden eingeführt und 1817 von Papst Pius VII. für die ganze Kirche bestätigt.
Wie wertvoll ist es doch, die sieben Schmerzen Mariens zu betrachten und darüber nachzudenken. Viel hat sie gelitten – um unseretwillen und aus Liebe zu ihrem Sohn. Helfen auch wir mit und trösten wir unsere liebende Mutter im Himmel durch unsere Gebete und Opfer für die vielen Seelen, die am Rand des Abgrunds stehen und im Begriff sind, ewig verloren zu gehen. Die Betrachtung einer oder mehrerer der sieben Schmerzen der Muttergottes eignet sich dazu besonders gut.
Sieben leidvolle Stationen im Leben Mariens
Die sieben Schwerter dringen tief in Mariens Herz ein. Nach ihrem Fiat beginnt für unsere himmlische Mutter bereits ein Leidensweg, den sie gemeinsam mit Jesus geht. Der größte aller Schmerzen und Höhepunkt der Leiden Mariens ist die Passion – der Kreuzweg ihres geliebten Sohnes. Die Hauptursache für die Schmerzen der Muttergottes sind die Sünden der Welt.
Der erste dieser sieben Schmerzen zeigt sich bereits bei der Darstellung Jesu im Tempel. Maria und Josef brachten das Jesuskind zur Weihe vor Gott.
„Und Simeon segnete sie und sprach zu Maria, seiner Mutter: Siehe, dieser ist gesetzt zum Falle und zur Auferstehung vieler in Israel und zu einem Zeichen, dem widersprochen werden wird; und auch deine eigene Seele wird ein Schwert durchdringen, damit die Gedanken vieler Herzen offenbar werden.“
(Lukas 2,34–35)
Trotz der großen Freude über das neugeborene Jesuskind spürte Maria den tiefen Schmerz in ihrem Herzen. Simeons Worte kündigten ihr bereits an, dass das Leben ihres Sohnes von Widerspruch und Leiden begleitet sein würde.
Auch die baldige Flucht in das ferne Land Ägypten schmerzte den heiligen Josef und Maria sehr: Sie mussten ihr geliebtes Heim zurücklassen und täglich um das Brot bangen. Wiederum führte ihr Weg sie in Unsicherheit und Entbehrung – und doch gingen sie diesen Weg im Vertrauen auf Gott.
Ein weiteres Schwert durchdrang das unbefleckte Herz Mariens, als der zwölfjährige Jesusknabe auf einer Pilgerreise nicht mehr auffindbar war. Als sie am Ende der Festtage wieder zurückkehrten, blieb der Knabe Jesus in Jerusalem, ohne dass es seine Eltern wußten. Da sie aber meinten, er sei bei einem Reisegefährten, gingen sie eine Tagreise weit und suchten ihn unter den Verwandten und Bekannten. Als sie ihn nirgends fanden, kehrten sie nach Jerusalem zurück, um ihn dort zu suchen. Schließlich fanden sie ihn im Tempel mitten unter den Lehrern und Schriftgelehrten.
„Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meines Vaters ist?“
(Lk 2,49)
Für Maria war diese Suche nach ihrem Sohn ein tiefer Schmerz. Doch auch hier zeigt sich, dass sie den Willen Gottes annahm und ihrem Sohn in treuer Liebe verbunden blieb.
Die vier weiteren Schmerzen der Gottesmutter, die wie Schwerter in ihr Mutterherz drangen, litt sie auf dem Kreuzweg, bei der Kreuzigung und beim Sterben Christi. Auch die Kreuzabnahme und die Übergabe des Leichnams an Maria gehören zu diesen schmerzvollen Stationen. Sie hält ihren Sohn in den Armen, der so viel für uns gelitten hat. Als letzten zu betrachtenden Schmerz denken wir an die Grablegung Jesu.
„Da nahmen sie den Leichnam Jesu und wickelten ihn samt den Spezereien in leinene Tücher ein, wie es die Sitte der Juden beim Begraben ist.“
(Joh. 19,40)
So führt uns die Betrachtung der sieben Schmerzen immer tiefer an das Kreuz und damit auch in das Geheimnis der Liebe Mariens zu ihrem göttlichen Sohn.
Das Herzensgebet
Wie sehr sind wir in unserem Leiden mit dem Leiden Mariens vereint. Jede Mutter weiss um den Herzensschmerz, wenn sie ihr Kind leiden sieht. Wie viel mehr muss Maria gelitten haben, da sie ihrem Sohn auf dem Kreuzweg begegnen musste. Sie wusste, wie ungerecht ihr Sohn leiden musste.
Versuchen wir deshalb, mit dem Herzen zu beten und uns dadurch ganz mit dem Herzen Mariens zu vereinen. Wenn wir ihre Schmerzen betrachten, dürfen wir ihr auch unsere eigenen Sorgen, Leiden und Anliegen anvertrauen.
Der hl. Maximilian Kolbe sagt:
„Die beste Andacht zur Immaculata ist nicht das Hersagen vieler Gebete, sondern das schlichte und innige Verhältnis des Kindes zur Mutter, welches sich am besten ausdrückt durch kurze, aber sehr innige und oft erweckte Stoßgebete.“
Gerade die Betrachtung der Schmerzen Mariens kann uns zu einem solchen innigen Gebet führen. Nicht viele Worte sind entscheidend, sondern ein Herz, das sich vertrauensvoll an seine himmlische Mutter wendet.
Wallfahrtsorte zur Schmerzensmutter
Weinende Madonna in Syrakus – Gedenktag am 29. August
Nach Fatima offenbarte die Gottesmutter ihren Schmerz im sizilianischen Syrakus. Das Wunder der weinenden Madonna von Syrakus ereignete sich im August 1953, als eine Gipsrelief-Ikone des Unbefleckten Herzens Mariens im Haus des jungen Ehepaars Iannuso in Sizilien mehrfach menschliche Tränen vergoss. Das Tränenweinen wurde von unzähligen Zeugen und einer medizinisch-wissenschaftlichen Kommission als authentisch bestätigt.
Zum Gedenken entstand das Santuario della Madonna delle Lacrime in Syrakus, eine markante Wallfahrtskirche. Papst Pius XII. betonte in einer Radiobotschaft die tiefe Bedeutung dieser mütterlichen Tränen.
Schmerzensmutter von Klingenzell
Auch in Klingenzell im Kanton Thurgau finden wir einen Ort, der der Schmerzensmutter geweiht ist. Die wunderschöne Kapelle zu Ehren der sieben Schmerzen Mariens steht hoch über dem Bodensee. Von dort aus eröffnet sich ein herrlicher Blick über die Landschaft, und der Gnadenort lädt zum Verweilen und zum stillen Nachdenken ein.
Viele Gläubige kommen hierher, um der Schmerzensmutter ihre Sorgen anzuvertrauen und Trost zu finden. Gerade solche Orte können uns helfen, zur Ruhe zu kommen und unser Herz auf Maria und ihre Schmerzen auszurichten.
Möge uns die Betrachtung der sieben Schmerzen Mariens helfen, ihre Liebe zu ihrem göttlichen Sohn immer tiefer zu verstehen und auch unsere eigenen Leiden mit mehr Vertrauen und Opferbereitschaft anzunehmen.
Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern ein gesegnetes Fest der sieben Schmerzen Mariens.
Textquellen:
Santuario della Madonna delle Lacrime – Wikipedia
Ausschnitt aus «Lass dich von der Immaculata führen» von Pater Stehlin
Bildquellen:
https://fsspx.news/de/news/15-september-unsere-liebe-frau-von-den-sieben-schmerzen-20123
aus dem Archiv eines Ritters
Altarbild Schmerzensmutter (Mariastein SO)
Kirche Sieben Schmerzen Mariens Klingenzell
Kreuzwegstation Kreuzweg Klosterkirche Mariastein
Wandgemälde Kapelle S. Maria a Fonte Wegenstetten (AG)
Darstellung im Tempel Altarbild Kapelle sieben Schmerzen Mariens in Klingenzell




