Am 4. Oktober wird das Fest des heiligen Franz von Assisi gefeiert. An diesem Tag können alle MI-Ritter einen vollkommenen Ablass gewinnen (vgl. Ablässe). Der heilige Franziskus ist ein so beeindruckender Heiliger, dass Papst Pius XI. die Enzyklika „Rite Expiatis“ zu seinem 700. Todestag über ihn, sein Leben und Wirken veröffentlichte. Im Folgenden ein Auszug der Enzyklika über die Tugend, die der heilige Franz am meisten liebte:
Die Armut
So schreibt Papst Pius XI.: „Doch Wir möchten, ehrwürdige Mitbrüder, näher darauf eingehen; deshalb wollen Wir betrachten, wie sich Franziskus durch hervorragende Übung eines vollkommenen Tugendlebens bereitete, den Ratschlüssen der göttlichen Barmherzigkeit zu dienen, und wie er sich dadurch als taugliches Werkzeug für die Erneuerung der Welt erwies.
Liebe zu den Armen
Welch begeisterte Liebe zur evangelischen Armut unseren Heiligen beseelte, das lässt sich wohl vorstellen; aber schwer, ja Unseres Erachtens sehr schwer ist es, das genauer zu beschreiben. Jedermann weiß, dass er von Natur aus geneigt war, Armen zu helfen; und Bonaventura bezeugt, er sei so voller Güte gewesen, dass er, „nun nicht mehr ein tauber Hörer des Evangeliums“, bei sich beschlossen habe, keinem Bettler ein Almosen abzuschlagen, zumal nicht, wenn er sich bei seiner Bitte „auf die Liebe Gottes berufe“. Aber die Gnade hat dann die Natur auf den höchsten Gipfel der Vollkommenheit geführt. Einmal hat er einen Armen abgewiesen; auf innern Antrieb Gottes, von Reue gerührt, sucht er ihn gleich auf und hilft ihm in seiner Not barmherzig und reichlich.
Ein andermal zieht er mit einer Schar von Kameraden nach einem fröhlichen Mahl singend durch die Stadt. Plötzlich bleibt er stehen, wie verklärt durch ein tiefes seelisches Wonnegefühl. Nachdem er wieder zu sich gekommen, fragen ihn seine Kameraden, ob er eine Frau im Sinne habe. Begeistert antwortete er sogleich, sie hätten recht, er gedenke eine Frau heimzuführen, wie es edler und reicher und schöner keine gebe. Damit meinte er die Armut oder die besonders auf die Liebe zur Armut sich stützende Frömmigkeit.
Freigewählte Armut
Denn von Christus dem Herrn, der, obgleich er reich war, unseretwegen arm ward, damit wir durch seine Armut reich würden (vgl. 2 Kor8,9), hatte er jene himmlische Weisheit gelernt, die keine Erfindung menschlicher Weisheit je zunichte machen wird, und die einzig und allein kraft ihrer heiligen Neuheit alles wieder herzustellen vermag. Jesus hatte ja gelehrt: Selig sind die Armen im Geiste (Mt 5,3); Willst du vollkommen sein, geh hin, verkaufe deine Habe und schenke sie den Armen; du wirst einen Schatz im Himmel Haben; dann komm und folge mir (Mt 19,21).
Diese Armut ist wesentlich verschieden von jener unfreiwilligen und griesgrämigen Besitzlosigkeit, die einige antike Philosophen zur Schau trugen; sie besteht vielmehr darin, dass man auf Antrieb des Heiligen Geistes hin freiwillig und freudig auf alles verzichtet. Und dieser Armut ergab sich unser Heiliger so herzlich, dass er sie in Ehrfurcht und Liebe seine Herrin, Mutter und Braut nannte. Der heilige Bonaventura sagt: „Keiner kann das Gold so leidenschaftlich lieben, wie er die Armut liebte, und keiner kann ängstlicher besorgt sein um die Verwahrung eines kostbaren Schatzes, als er es war in Bezug auf diese himmlische Perle“.
Vorschriften der Regel
Und wo Franziskus in seiner eigenen Ordensregel die geradezu einzigartige Übung dieser Tugend empfiehlt und vorschreibt, da tut er mit deutlichen Worten kund, wie hoch er sie schätzt und wie innig er sie liebt: „Das ist jene Erhabenheit der höchsten Armut, die euch, meine teuren Brüder, zu Erben und Königen des Himmelreiches einsetzte, die euch arm an Gütern machte, an Tugenden aber hoch erhob. Sie sei euer Anteil; … ihr… sollt ihr euch ganz ergeben, und für immer entschlossen sein, um des Namens unseres Herrn Jesu Christi willen nie etwas anderes unter dem Himmel zu besitzen“.
Die Armut: Braut Christi
Und gerade deshalb liebte Franziskus die Armut in vorzüglicher Weise, weil sie in seinen Augen der Gottesmutter vertraute Freundin war, und zudem nicht nur vertraute Freundin Jesu Christi, sondern sogar dessen Braut, die er sich am Kreuz anvermählte, die dann aber bei den Menschen in Vergessenheit geriet und der Welt sehr bitter und lästig wurde.
Wenn er das überdachte, brach er jeweils in Weinen und Wehklagen aus. Wen sollte nun der außerordentliche Anblick eines Mannes nicht rühren, der bei den früheren Genossen seiner frohen Stunden und manchen andern den Eindruck erweckte, als habe ihm die Liebe Zur Armut geradezu den Verstand geraubt? Und was soll man dazu sagen, dass dieser große Liebhaber der Armut von der Nachwelt, selbst wenn sie dem Begriff und der Übung der evangelischen Vollkommenheit ganz fern stand, täglich mehr bewundert wurde und noch von der heutigen Menschheit bewundert wird? Dieser Nachwelt ging Dante Alighieri voran mit seinem berühmten Gesang von der Verlobung des Franziskus mit der Armut, jenem Gesang, von dem man nicht weiß, was man daran mehr bewundern soll, den erhabenen Schwung der Gedanken oder die zarte Anmut der dichterischen Einkleidung.“
Bitten wir also diesen Heiligen, den Gründer der Franziskanerorden, dem auch der heilige Maximilian Kolbe angehörte (er war Franziskaner-Minorit), uns zu helfen, die Tugend der Armut zu üben.
Heiliger Franz von Assisi, bitte für uns!
Quelle Rite Expiatis: https://www.kathpedia.com/index.php/Rite_expiatis_(Wortlaut)
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