Erwartung Mariens

Erwartung Mariens

2025 12 18 maria erwartung smDas Fest Mariä Erwartung am 18. Dezember, acht Tage vor Weihnachten, soll uns ans Herz legen, die große, glühende Sehnsucht Mariens zu bedenken, mit der sie der Geburt ihres Kindes in den letzten Tagen des Advents entgegensah, und die sorgfältige äußere und innere Vorbereitung nachzuahmen, mit der Maria sich auf die Geburt des göttlichen Kindes einstimmte.

Maria – Vorbild der Adventsvorbereitung

„Maria ist das vollkommenste Vorbild dieser Vorbereitungszeit auf die Gnadenankunft Christi. Sie hat Christus neun Monate lang in ihrem Leib und in ihrem Herzen getragen und durfte ihm eine wahre Mutter sein. Maria soll uns helfen, nicht in den Strudel des Weihnachtsstresses zu geraten und nicht dem Drang zu verfallen alles noch vor Jahresende erledigen zu müssen. Sie lädt uns ein, so zu leben, wie sie damals. In stiller Erwartung, im Geist der Gottvereinigung, im bewussten Bereiten der Krippe des Herzens.“[1]

Die letzten Tage vor der Geburt

„Werfen wir (…) zu allererst in dankbarer, gläubiger Ergriffenheit einen Blick auf den Zustand Mariens in den letzten Tagen ihres Advents: Das Kind in ihrem jungfräulichen Schoß war nun schon völlig ausgereift und wartete nur noch darauf, das Licht der Welt zu erblicken. Maria war im Lauf der letzten Wochen und Tage immer mehr zur Bundeslade geworden, die den Vollender des Alten und des Urhebers des Neuen Bundes in sich trug. Maria war in den neun Monaten zum lebendigen Tabernakel geworden, in welchem der menschgewordene Sohn Gottes in wahrer Realpräsenz leibhaftig gegenwärtig war; sie trug jenen in sich, von dem ihr der Engel Gabriel neun Monate zuvor in der Stunde der Verkündigung gesagt hatte: „Du wirst einen Sohn gebären, ihm sollst du den Namen Jesus geben. Er wird groß sein und Sohn des Allerhöchsten genannt werden. Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben. Er wird über das Haus Jakobs in Ewigkeit herrschen und seine Königsherrschaft wird kein Ende haben!“ (Lk 1, 31ff)

Maria als Bundeslade und lebendiger Tabernakel

Vitraux de la basilique Notre Dame Geneve 23Wie mag in diesen letzten Tagen ihres Advents die seligste Jungfrau immer wieder in ihren jungfräulichen Schoß hineingelauscht haben und in festem Glauben an die Botschaft des Engels Gabriel sich immer wieder gefragt haben: Wie wird dieses geheimnisvoll empfangene Kind aussehen? Wie wird es beschaffen sein? Ganz Mensch und doch Gott zugleich! Wie wird dieses Kind das Licht der Welt erblicken? Fragen über Fragen mögen da Maria vielleicht bestürmt haben. Maria glaubte auch jetzt und spürte in diesem ihrem lebendigen Glauben die Sehnsucht immer stärker werden nach dem Anblick dieses ihres von Gott auf wunderbare Weise empfangenen Kindes, das sie in sich trug. Sie sehnte sich nach der Stunde, da Jesus geboren werden sollte. Jede gute Mutter sehnt sich danach, das Kind zu sehen, das Gott in ihrem Schoß heranreifen ließ. Und die Augenblicke nach der Geburt, wenn eine gute Mutter ihr Kind zum ersten Mal in ihren Mutterhänden hält, entschädigen sie reich für alle bangen Sorgen in den langen Wochen der Schwangerschaft und für die Schmerzen der Geburtswehen. Jede gute Mutter freut sich schon darauf, das Kind ihres Schoßes nun pflegen, liebkosen, bewundern und großziehen zu dürfen.

Noch viel stärker und intensiver mag die Sehnsucht Mariens gewesen sein, von der ihr unbeflecktes Mutterherz erfüllt war, ihr Kind zu sehen, den kleinen Leib zu bewundern und zu berühren, den der Sohn Gottes aus ihrem Fleisch und Blut angenommen hat, und ihn in ihren Armen halten und liebkosen zu dürfen. Maria sehnte sich danach und freute sich darauf. Sie wusste ja aus der Engelsbotschaft, dass dieses ihr Kind der verheißene Messias und Erlöser sein werde. Immanuel! Sie kannte aus den messianischen Weissagungen und Gottesknecht Liedern des Propheten Jesaia die Ankündigung, dass der Messias in stellvertretender Sühne leiden müsse, um sein Volk und die ganze Menschheit zu erlösen von aller Sündenschuld.

Die Sehnsucht und das Opfer Mariens

Wie mag Maria da in den letzten Tagen ihres Advents über all das nachgedacht haben und vielleicht gar zur Erkenntnis gekommen sein, dass das Erlöserleiden des Messias jetzt schon bei seinem Eintritt in die Welt beginne und in seiner Selbsterniedrigung seinen Anfang nahm. (…) Maria aber wird über all das sicher nachgedacht und darüber meditiert haben. So wuchs immer mehr ihre Bereitschaft, jetzt schon – noch vor der Geburt Christi – mit ihrem göttlichen Sohn im Leben und auch im Leiden ganz eins zu sein und ihm im Erlösungswerk zu helfen. Es wuchs dabei sicher auch Mariens Bereitschaft, ihrem göttlichen Sohn bei seinem Eintritt in die Welt das Leiden zu erleichtern und ihm möglichst viel Freude zu bereiten.

Mit welcher Liebe und Sorgfalt mag darum Maria alles für die Stunde der Geburt vorbereitet und mit ihrem jungfräulichen Bräutigam, dem hl. Joseph, beraten haben.

Dass dann der Befehl des Kaisers Augustus zur Volkszählung dazwischen kam und alle gefassten Pläne durchkreuzte, werden Maria und Joseph sicher schwer und bitter empfunden haben im Gedanken an die nahe Geburt des Kindes, sie werden das dann aber sicher auch als weise Zulassung und Verfügung Gottes und als dazugehörig zum beginnenden Erlösungswerk des Messias bejaht und aufgeopfert haben, immer bereit, in allem den heiligsten Willen Gottes zu erfüllen, und im klaren Wissen, dass für das göttliche Kind die allererste Speise sein würde, den Willen dessen zu erfüllen, der ihn im Geheimnis der Menschwerdung auf diese Erde gesandt hatte.

Die Reise nach Bethlehem

reise bethlehemMaria und Joseph murrten sicher nicht, sondern richteten nun alles freudig für die Reise nach Bethlehem her, die fünf Tage dauern würde.

Als der Tag und die Stunde des Aufbruchs für die Reise nach Bethlehem gekommen war, wird der hl. Joseph seiner Braut sicher versprochen haben, alles zu tun, um ihr die Reise und dann die Stunde der Niederkunft in Bethlehem zu erleichtern.

Maria wird wohl mit großer Dankbarkeit diese Bereitschaft des hl. Joseph empfunden und die liebevoll sorgende Fürsorge, die er ihr entgegenbringen werde, zu allererst auf ihren bald kommenden Sohn bezogen haben. Maria hat dabei den hl. Joseph vielleicht auch getröstet und ermutigt und ihm versichert, dass Gott gewiss auf all seine Sorge um sie und ihr Kind mit größtem Wohlgefallen blicke.

Zweifellos hat der hl. Joseph für die Reise ein Reittier, einen Esel besorgt, auf dem Maria die Reise nach Bethlehem zurücklegen könne. Auch dann würde die Reise noch beschwerlich genug bleiben für Maria in ihrem Zustand.

Unvergleichlich schmerzlicher als die durch Kaiser Augustus und seinen Erlass auferlegte Mühsal der Reise von Nazareth nach Bethlehem war für Maria und Joseph dann der kalte, abweisende Empfang, den Bethlehem ihnen und dem göttlichen Kind darbot. Bei Lk 2,6 heißt es: „Als sie dort waren, kam für Maria die Zeit der Niederkunft. Und sie gebar ihren erstgeborenen Sohn, wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war“.

Die Geburt in der Armut

Das Wort von der „Krippe“ deutet an, wo Maria und Joseph bei der Herbergsuche in Bethlehem schließlich ein Dach über dem Kopf und einen Raum fanden, wo sie bleiben konnten: es war eine Höhle, die auch Tieren bei Nacht und Regen Schutz bot. Diese Geburtshöhle, die unsere Phantasie aus Mitleid und Beschämung zugleich wenigstens zu einem Stall umgebaut hat, wird schon vom hl. Justinus dem Märtyrer, der lange in Palästina gelebt hat, um die Mitte des 2. Jahrhunderts bezeugt; er schreibt in einem Dialog mit dem Juden Tryphon: „Jesus ist in einer Höhle, nicht weit von der Stadt (Bethlehem) geboren worden“.

Maria und Joseph werden nach der bitter enttäuschenden Herbergsuche in Bethlehem sogar mit einer gewissen Erleichterung diesen leeren, ruhigen Raum betreten und dann gesäubert und zuletzt aus kindlich ergebenem Herzen Gott gedankt haben für dieses bescheidenste Obdach.

Als dann aber das göttliche Kind ohne Verletzung der Jungfräulichkeit seiner Mutter geboren wurde, als es dann auf dem nackten Boden der Höhle dalag wie ein kleiner vom Himmel gefallener Stern, als sich Maria fragend umschaute, wo sie dieses Kleinod bergen könne, als sie schließlich über die Krippe, eine im Gestein der Höhle kleine Ausbuchtung und Mulde, nachdenklich ihre Windeln breitete, als der Ochs und der Esel der Mutter zuliebe etwas wegrückten von ihrem Futtertrog, da hat Maria dann das göttliche Kind mit behutsamer Hand in diese äußerste Armut hineinlegte. Das arme Kind, die arme Mutter! Mit dem Eifer junger Mütter, nein, mit noch viel größerem Eifer hatte Maria in Nazareth sorgfältigst alles für die Ankunft des göttlichen Kindes hergerichtet und jede getroffene Vorbereitung wahrscheinlich freudig dem hl. Joseph gezeigt, wenn er abends von seinem Tagewerk als Zimmermann heimkam. Hier in Bethlehem aber fehlte alles bis auf die paar Windeln und bis auf die unbeschreiblich große Liebe der Mutter zu ihrem Kinde. Maria fühlte ganz sicher, dass die Armut dieser Geburt eine große geheimnisvolle Bedeutung habe, dass hier ein „Zeichen“ vorliegen müsse. Der Engel draußen auf dem Hirtenfeld hat gegenüber den Hirten „das Kind in der Krippe, in Windeln gewickelt“ ausdrücklich ein „Zeichen“ genannt. Für Maria war es in einem viel tieferen und schmerzlicheren Sinn als für die Hirten ein „Zeichen“. Dieses Kind, dem schon bei der Geburt die Herberge verweigert wurde, wird auch im weiteren Leben herberglos, heimatlos bleiben: „Die Füchse haben ihre Höhlen, die Vögel des Himmels ihre Nester, der Menschensohn aber hat nichts, wohin er sein Haupt legen könnte“, so wird der menschgewordene Wohn Gottes einst selber sagen. An der Krippe wurde bereits als dunkler Schatten das Kreuz sichtbar! Wie Bethlehem seinen Messias fortgewiesen hat, so wird ihm auch Jerusalem einmal zurufen: „Hinweg mit ihm! Ans Kreuz mit ihm!“ Jesus wurde außerhalb der Stadt Bethlehem geboren, er sollte auch außerhalb der Stadt Jerusalem sterben.

Das Kreuz wirft seinen Schatten

„Es war kein Platz in der Herberge“, so berichtet Lukas vom Anfang des Lebens Jesu. „er kam in sein Eigentum, aber die seinigen nahmen ihn nicht auf“, so umschreibt der Apostel Johannes das Lebensschicksal des Gottesmenschen. Maria aber hat das alles mitgetragen, mit ertragen, mitgelitten. Sie hat uns am Anfang und erst recht am Ende ihres Advents vorgelebt, wie wir mit ihr durch Glaube, Hoffnung und Liebe, vor allem aber auch durch Opferbereitschaft und Bußgesinnung dem Kommen des Herrn die Wege bereiten sollen. Vergessen wir das nicht, je näher Weihnachten kommt! (…)

Unsere Haltung im Advent

weihnachtskrippe leerLassen wir bei uns und unseren Familien nicht zu, dass sich im Advent und zu Weihnachten alles nur um materielle Dinge, womöglich nur um Einkauf und Geschenke, um Geschäft und Geldbeutel dreht und daneben die Menschen nur von Zank und Streit und zuletzt wegen Müdigkeit vom Feiertagsteufel umgetrieben werden. Wir dürfen nicht zu jenen Menschen gehören, die – wie damals in Bethlehem vor fast 2000 Jahren – Maria mit ihrem göttlichen Sohn, unserem Heiland und Erlöser, draußen vor der Tür stehen lassen.“[2]

„Und vergessen wir nicht: jede Gnade, die wir empfangen, kommt aus ihren Händen. Sie ist die Mittlerin aller Gnaden und wird es immer bleiben. (…) Je mehr Hindernisse uns auf dem Weg zum Himmel erwarten, umso notwendiger ist die Tugend der Hoffnung. Die feste Zuversicht, das Gott alles vermag, durch die Fürbitte der allerseligsten Jungfrau Maria. Amen.“[3]

 

 

[1] Predigt H.H. Pascal Schreiber zum ersten Adventssonntag 2025

[2] Predigt von Prälat Dr. Ferdinand Holböck, gehalten am 13. Dezember 1994

[3] Predigt H.H. Pascal Schreiber zum ersten Adventssonntag 2025

 

Bildnachweise:

  • Titelbild: CC BY-NC-SA @ Nationalgalerie
  • Fenster Notre Dame, Genf,  © Yann Forget / Wikimedia Commons
  • Meister der Kahriye-Cami-Kirche in Istanbul, Public domain, via Wikimedia Commons
  • Leere Krippe: © Envato, lizenziert für die MI

 

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