Gedächtnis der Sieben Schmerzen Mariens

Gedächtnis der Sieben Schmerzen Mariens

The Pieta by Michelangelo 48135182552 Unter dem Kreuz steht Maria – ihr Herz durchbohrt von unsagbarem Schmerz, vereint mit dem Leiden ihres Sohnes Jesus Christus. Kein Geschöpf hat je so geliebt – und so gelitten. In ihren Schmerzen erkennen wir die Tiefe ihrer Liebe zu uns. Fliehen wir mit Vertrauen zu dieser Mutter, die alles für uns hingegeben hat.

Am 27. März gedenkt die Kirche der sieben Schmerzen Mariens und lädt uns ein, in dieses Geheimnis einzutreten: in das Mitleiden, die Opferbereitschaft und die unermessliche Liebe unserer himmlischen Mutter.

Die Sieben Schmerzen Mariens

Bei dem Kreuze Jesu standen Seine Mutter und die Schwester Seiner Mutter, Maria, die Frau des Kleophas, und Maria Magdalena.“ (Joh 19,25)

Der Sieben Schmerzen der allerseligsten Jungfrau Maria gedenkt die Kirche gleich an zwei Tagen im Jahr. Die Liturgie feiert am 15. September das Fest der Sieben Schmerzen Mariens. Zusätzlich verehrt sie die Sieben Schmerzen am Freitag nach dem ersten Passionssonntag in der Form eines Gedächtnisses.

Das Leiden Mariens ist untrennbar mit der Passion Jesu verbunden. Maria stand tapfer am Fuße des Kreuzes, erduldete die Marter des Heilands in ihrer eigenen Seele und nahm auf diese Weise an seinem erlösenden Opfertod teil.

Gefördert wurde die Verehrung der Sieben Schmerzen der Muttergottes besonders durch die Stifter des Servitenordens. Ein eigenes Fest wurde auf einer Synode in Köln 1423 empfohlen und schließlich 1727 durch Papst Benedikt XIII. für die ganze Kirche vorgeschrieben. Das Fest am 15. September geht auf Pius VII. zurück, der es als Dank für seine Befreiung aus Gefangenschaft einführte.[1]

 

Ein Schwert des Leidens durchdrang die Seele Mariens

Shebuev Simeon Bogopriimets 1847

Insgesamt verehrt die Kirche folgende Schmerzen der Muttergottes, von denen beim Gedächtnis der Sieben Schmerzen diejenigen hervorgehoben werden, die direkt mit der Passion Jesu in Verbindung stehen:

  1. Die Weissagung Simeons, dass ein Schwert Marias Seele durchdringen wird (Lk 2,35)
  2. Die Flucht nach Ägypten (Mt 2,13–15)
  3. Die dreitägige Suche nach dem 12-jährigen Jesus in Jerusalem (Lk 2,41– 52)
  4. Begegnung auf dem Kreuzweg (mündl. Tradition, vgl. Lk 23,27)
  5. Maria unter dem Kreuz ihres Sohnes (Joh 19,17– 39)
  6. Jesus wird, vom Kreuz abgenommen, in den Schoß Mariens gelegt (mündl. Tradition)
  7. Die Grablegung Jesu (vgl. Mt 27,57– 61)

Im Stabat mater, das als Sequenz in der Liturgie des Tages dient, wird auf eine sehr ergreifende Art beschrieben, wie sich die Prophezeiung des greisen Simeon bei der Darstellung Jesu im Tempel erfüllt:

Und Simeon segnete sie und sagte zu Maria, der Mutter Jesu: Siehe, dieser ist dazu bestimmt, dass in Israel viele zu Fall kommen und aufgerichtet werden, und er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird, – und deine Seele wird ein Schwert durchdringen.(Lk 2,35)

Das Herz Mariens ist ein Spiegel der Leiden Jesu

In der Sequenz ist von einem „Schwert des Leidens“ die Rede. Die Seele der Muttergottes wird wegen ihres übergroßen Mitgefühls durchbohrt. Der heilige Kirchenlehrer Justinian schreibt, dass das Herz Mariens durch sein Mitleid eine Art Spiegel wurde, in dem sich alle Qualen und alle Schmähungen widerspiegelten, die Jesus Christus erlitt.[2] Maria wurde durch ihr Mitleiden zur Miterlöserin, ein Titel, der leider kürzlich vermehrt angegriffen wurde, für den es aber sehr gute Gründe gibt.

Nie hat ein Geschöpf Gott mehr geliebt als Maria und nie hat ein Geschöpf so sehr gelitten wie sie, sagte Richard von St. Viktor[3], seinerzeit einer der wichtigsten Theologen in Paris. Ihr Schmerz entspricht dem Ausmaß ihrer unermesslichen Liebe zu Gott und zu unseren Seelen, die sie am Fuße des Kreuzes für die Gnade wiedergeboren hat. Jesus selbst machte seine Mutter zu unserer Mutter, als er am Kreuz zum heiligen Johannes sprach: „Mein Sohn, siehe, deine Mutter“. (Joh 19, 27)

Lucas Cranach d. Ae. The Lamentation of Christ The Schleissheim Crucifixion Alte PinakothekFXD

Königin der Märtyrer

Maria stand unter dem Kreuz und opferte ihren eigenen Sohn auf, um uns zu retten. Betrachten wir für einen Moment die unvergleichliche Nächstenliebe unserer Mutter, wie sie die Heiligen verstanden haben, und wir werden eine kleine Vorstellung davon bekommen, was wir sie gekostet haben:

„Es wäre gewissermaßen Gott unwürdig gewesen, ein Gebot aufzuerlegen, das niemand vollkommen erfüllt hätte; das große Gebot der Nächstenliebe musste also von jemandem vollständig befolgt werden, und das konnte nur die allerseligste Jungfrau Maria.“ (hl. Albertus Magnus)[4]

Maria ist die Königin der Märtyrer. Sie wurde für ihren Glauben nicht von Verfolgern zu Tode gemartert; dennoch ist ihr Martyrium unvergleichlich erhabener. Der hl. Antoninus hebt hervor, dass die Märtyrer litten, weil sie ihr eigenes Leben hingaben, während Maria litt, indem sie Gott das Leben ihres Sohnes aufopferte. Sie liebte sein Leben aber unvergleichlich mehr als ihr eigenes.[5]

Auf diese Art von Martyrium weist auch die Communio des Messformulars vom Gedächtnis der Sieben Schmerzen Mariens hin: Glückselig die Schmerzen der heiligen Jungfrau Maria, die unter dem Kreuze des Herrn ohne Tod die Märtyrerpalme verdienten.

Mit Vertrauen zu Maria gehen

Der hl. Thomas von Aquin weist darauf hin, dass die Nächstenliebe der Muttergottes jetzt im Himmel nicht nur keineswegs geringer, sondern sogar noch größer ist, da sie nun das Elend der Menschen noch besser kennt.[6]

Sind das nicht unerhört tröstende und ermutigende Worte? Ja, wir sollen uns mit einem großen Vertrauen an Maria wenden, die unsere Nöte und Unzulänglichkeiten kennt. Sie will uns helfen!

Dieses große Vertrauen, dass wir zu Maria haben sollen, spiegelt sich auch im Introitus der Liturgie vom 22. August, dem Fest des Unbefleckten Herzen der allerseligsten Jungfrau Maria, wider: Lasst uns voll Vertrauen hinzutreten zum Throne der Gnade, damit wir Barmherzigkeit erlangen und Gnade finden als Hilfe zur rechten Zeit. (Hebr. 4,16)

Quellen:

Schott, Anselm: Das vollständige Römische Messbuch. Lateinisch und deutsch, Beuron 1961, Erzabtei Beuron.

https://laportelatine.org/spiritualite/sainte-vierge-marie/notre-dame-des-douleurs

https://fsspx.de/de/news/maechtige-gruende-unseres-vertrauens-auf-maria-nach-dem-heiligen-papst-pius-x-55493

 

BILDER:

Pietà, Michelangelo, Basilika St. Peter, Rom, CC-BY-SA-2.0, by Torbjorn Toby Jorgensen

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:The_Piet%C3%A0_by_Michelangelo_(48135182552).jpg

 Vasily Shebuyev, Der gerechte Simeon, Staatliches Russisches Museum, Sankt Petersburg, gemeinfrei

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Shebuev_Simeon-Bogopriimets,_1847.jpg

Lucas Cranach, Christus am Kreuz mit Maria und Johannes, Alte Pinakothek, München, gemeinfrei

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Lucas_Cranach_d._%C3%84._-_The_Lamentation_of_Christ_-_The_Schlei%C3%9Fheim_Crucifixion_-_Alte_PinakothekFXD.jpg

 

 

[1] Schott, Anselm: Das vollständige Römische Messbuch. Lateinisch und deutsch, Beuron 1961, Erzabtei Beuron.

[2] https://laportelatine.org/spiritualite/sainte-vierge-marie/notre-dame-des-douleurs. letzter Aufruf am 14.03.2026.

[3] https://fsspx.de/de/news/maechtige-gruende-unseres-vertrauens-auf-maria-nach-dem-heiligen-papst-pius-x-55493, letzter Aufruf am 14.03.26.

[4] Zitiert nach: https://laportelatine.org/spiritualite/sainte-vierge-marie/notre-dame-des-douleurs, letzter Aufruf am 14.03.2026.

[5] vgl. https://laportelatine.org/spiritualite/sainte-vierge-marie/notre-dame-des-douleurs, letzter Aufruf am 14.03.2026.

[6] vgl. https://laportelatine.org/spiritualite/sainte-vierge-marie/notre-dame-des-douleurs, letzter Aufruf am 14.03.2026.

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