Zum Rosenkranzfest

Zum Rosenkranzfest

Zitat 2024 KW 40.2

Zur Geschichte des Rosenkranzfestes

Das Rosenkranzfest wurde 1573 von Papst Gregor XIII. für alle Kirchen eingeführt, in denen sich ein Rosenkranzaltar befand, zum Dank für den glorreichen Seesieg über die Türken bei Lepanto (7. Oktober 1571). Dieser Sieg war zum großen Teil dem eifrigen Beten des Rosenkranzes zuzuschreiben. Papst Klemens XI. dehnte es auf die ganze Kirche aus, als 1716  bei Peterwardein durch den Prinzen Eugen erneut ein glänzender Sieg über die Türken errungen wurde1. Einen ausführlichen Bericht zur Seeschlacht von Lepanto lesen Sie hier: Lepanto – ein Sieg Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz.

Die Macht des Rosenkranzgebetes

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Der Rosenkranz ist notwendig und machtvoll! Der Himmel will, dass wir ihn beten! In allen Erscheinungen von Fatima bat Maria um das tägliche Rosenkranzgebet, in der letzten Erscheinung am 13. Oktober 1917 stellte sie sich als Königin des Rosenkranzes vor. Das Rosenkranzgebet ist sozusagen in geistiger Weise das „tägliche Brot“, aus dem wir Kraft, Stärke und Schutz für unseren Glauben bekommen. Schwester Lucia sagte später gegenüber Pater Fuentes: „Maria hat sowohl meinen Cousins wie mir gesagt, dass sie der Welt die letzten Heilmittel gebe: den Rosenkranz und die Verehrung des unbefleckten Herzens Mariens. Und da dies die letzten Heilmittel sind, heißt das, dass es keine anderen geben wird. Gott bietet uns das letzte Mittel des Heils an, seine heiligste Mutter. Wenn wir dieses letzte Mittel abweisen, werden wir die Verzeihung des Himmels nicht mehr erlangen. Sehen sie, Pater, die Muttergottes hat in diesen letzten Zeiten, in denen wir leben, dem Rosenkranzgebet eine neue Wirksamkeit gegeben. Auf diese Weise gibt es kein Problem, sei es zeitlicher Art oder vor allem geistlicher Art, … so schwierig es auch sei, das wir nicht durch das Gebet des Rosenkranzes lösen könnten. Mit dem Rosenkranz werden wir uns retten, wir werden uns heiligen, wir werden unseren Herrn trösten und viele Seelen retten.” Diese Aussagen scheinen gewagt, doch sie sind es nicht. Gott gebraucht nämlich gerne unscheinbare und bescheidene Mittel, um Großes zu erreichen: „Was der Welt schwach erscheint, hat Gott auserwählt, um das Starke zu beschämen” (1 Kor 1,27). Lassen wir Sr. Lucia noch genauer den Wert des Rosenkranzes beschreiben:

  1. photo 6052171483926607277 xDer Rosenkranz ist der beste Schutz gegen den Irrtum
    „Man bete alle Tage den Rosenkranz! Unsere Liebe Frau hat dies in all ihren Erscheinungen wiederholt, wie um uns im Vorhinein zu schützen gegen diese Zeiten des teuflischen Verwirrungsspiels, damit wir uns nicht durch falsche Lehren täuschen lassen. … Die teuflische Verwirrung bricht über die Welt herein und täuscht die Seelen. Es ist notwendig, ihr die Stirn zu bieten.”
  2. Der Rosenkranz erhält und nährt den Glauben
    „Durch dieses Gebet wird die kleine Flamme des Glaubens wieder entfacht, welche in vielen Seelen noch nicht ganz ausgelöscht ist. Dies geschieht sogar bei denen, die den Rosenkranz nicht betrachtend beten. Nur schon die Tatsache, dass sie den Rosenkranz zur Hand nehmen, ist schon eine Erinnerung an Gott, an das Übernatürliche. Die einfache Erinnerung an das Geheimnis bei jedem Gesätzchen ist mehr als ein Lichtstrahl, der in den Seelen den glimmenden Docht am Leben erhält.”
  3. Der Rosenkranz führt zur Vereinigung mit Gott
    „Das Gebet des Rosenkranzes ist jenes, das uns nach der heiligen Liturgie der Messe am meisten mit Gott vereinigt und uns am besten in das innerste Geheimnis der heiligsten Dreifaltigkeit und der Eucharistie einführt. … Der Rosenkranz ist das Gebet der Armen und der Reichen, der Gelehrten und der Unwissenden. Wer den Seelen diese Andacht wegnimmt, entzieht ihnen das geistige tägliche Brot.”2

Eine Rosenkranzgeschichte aus dem Sibirischen Gefangenenlager

photo 532576829923969167 x„Ich bin nun schon viele Jahre Arzt hier im Durchgangslager für Heimkehrer. Nehmen Sie es also einem erfahrenen Mediziner nicht übel, wenn ich die erstaunte Frage stelle, wie es Ihnen möglich war, so gesund an Leib und Seele aus Sibirien heimzukehren.“

Das Mädchen in der grauwattierten Steppjacke senkte die Augen und ein schwaches Rot fuhr bis unter das fahle Kopftuch und machte ihr Gesicht zart und mädchenhaft. Der Arzt bemerkte, dass in diesen Zügen nicht jene Stumpfheit und Resignation zu finden war, die sonst die Gesichter kriegsgefangener Frauen zu prägen pflegten. Als das Mädchen den väterlich forschenden Augen begegnete sagte sie stockend:

„Ich glaube, das verdanke ich – dem hier!“ und zog aus der Tasche ein Etwas, das sie behutsam dem Arzt in die ausgestreckte Hand gab. Verwundert schaute der Arzt auf einen graubraunen, anscheinend selbstgebastelten Rosenkranz.

„Ja, es hat eine besondere Bewandtnis damit“, gestand das Mädchen. Sie strich befangen über die Stirn und erzählte leise:

„Anfangs war es uns natürlich nicht erlaubt, einen Rosenkranz zu besitzen. Als ich aus meinem Heimatdorf bei Königsberg in Gefangenschaft gebracht wurde, war ich erst siebzehn Jahre alt und trug meinen blau-weißen Mädchen-Rosenkranz allezeit in der Tasche, um ihn auf dem Feld oder überall beten zu können. Schon auf dem Transport wurde er mir abgenommen. In den Dämmerstunden des sibirischen Lagers erwachte immer stärker unser Verlangen nach Gemeinsamkeit, nach Wärme und jener Nähe, die das Rosenkranzgebet untereinander schafft. Wir beteten an den Fingern „die Bibel der Verlassenen“, um die sich kein Priester mehr kümmern konnte. Alles musste uns der Rosenkranz ersetzen, was wir an religiösen Übungen gewohnt waren. Und Not macht erfinderisch.

Wir hatten da eine Studentin namens Anke, welche die Kunstakademie besucht hatte. Als sie eines Tages auf ihrem Strohsack einige Krumen steinhart gewordenen Lagerbrotes fand, kam ihr ein Gedanke. Plötzlich brach sie ein Häppchen von ihrer kargen Tagesration ab und legte es beiseite, und wenig später sahen wir verwundert, wie sie aus Wasser und Brot emsig kleine Kügelchen formte und nebeneinander in ihr blechernes Kochgeschirr legte. Mit der Lagerstopfnadel und dem Zwirn bohrte sie vorsichtig ein Loch durch jede „Perle“ und fertigte so einen Rosenkranz mit Brotkrumen an. „Aber Anke, so ein heiliger Gegenstand – und aus Brot, ist das keine Sünde?“, fragte ich. Sie sah mich ernst an. „Da frag dich selbst, ob dies aus Übermut oder aus Not geschieht. Wenn unser Heiland sich nicht scheute, für uns ins Brot herniederzusteigen in der hl. Kommunion, so wird er auch mit Nachsicht auf diesen Rosenkranz sehen.“

Nach wenigen Wochen besaß jede von uns einen buchstäblich vom Munde abgehungerten Rosenkranz.

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Rosenkranz aus Brot, KZ-Auschwitz

Eines Morgens aber kam ich betrübt, mit Tränen der Beschämung in den Augen zu Anke und gestand ihr, dass ich am Abend über dem Beten eingeschlafen sei und da hätten die Mäuse meinen Rosenkranz angeknabbert und mir nur die zerfranste Schnur übrig gelassen mit den paar „Perlen“, die ich umklammert hielt. Anke lachte und weinte fast zugleich und machte sich in Eile daran, einen neuen Rosenkranz zu formen. Aber sie war bereits zu sicher geworden und wurde mitten in der Arbeit vom Posten überrascht und zum Verhör vor den Lagerführer gebracht.

Zitternd ließen wir unsere Rosenkränze nun eilig verschwinden und beteten aus tiefstem Herzen den Rosenkranz für Anke ohne unsere Gebetsschnur, besonders das Gesätz „der für uns Blut geschwitzt hat“. Aber nach kurzer Zeit kam sie wieder, strahlend über das ganze Gesicht.

Anke erzählte, dass sie ordentlich angepfiffen wurde, ob sie das Verbot nicht kenne, Andachtsgegenstände – er nannte sie Fetische des Aberglaubens – zu besitzen. Die zweite Frage war, woher sie das Ding habe. Gebastelt? Woraus? Da hatte Anke in ihrem Herzen zur Gottesmutter gerufen und tapfer gesagt: „Das ist aus Brot. Das ist unsere Eiserne Ration.“ Erst war der Lagerführer wie erstarrt vor Staunen gewesen, dann habe er vorsichtig eine Perle zwischen den Fingern zerdrückt, daran gerochen, den Kopf geschüttelt und die Wache hinausgehen heißen. Dann, Auge in Auge, habe er sie angeschrien: „Eiserne Ration? Was soll das heißen? Kriegt ihr nicht genug?“ Da habe Anke seinen Blick ausgehalten und gesagt: „Jawohl, Genosse Lagerführer, das ist die Eiserne Ration für unsere Seelen. Die sind ausgehungert nach Gott!“ – Sekundenlang habe sie der Russe angestarrt und dann plötzlich sei ein Flackern in seinen Blick gekommen, er habe die Augen gesenkt, ihr den Rosenkranz zugeschoben und mit rauer Stimme nur ein Wort gesagt: „Behalten!“ – Anke durfte gehen und stand heil vor uns. Mit gestärktem Vertrauen, erhofften wir uns weiterhin die mächtige Hilfe unserer lieben Gottesmutter.
„Sehen Sie Herr Doktor, die Muttergottes hat es getan. Das Schlimmste blieb uns erspart. Man könnte viele Gründe anführen. Ich weiß nur – den Rosenkranz!“.3

 

Quellen:

1 Erklärung zum Rosenkranzfest vom Schott-Messbuch, Ausgabe 1961

2 www.rosenkranzgebet.info

3 Die schönsten Mariengeschichten, Band 2 v. Pfr. Karl Maria Harrer

 

Bildernachweis:

  • Zitat der Woche, lizenziert © Envato Elements
  • Fatimastatue, Public Domain, by kubogu via Pixabay
  • Rosenkranzkönigin und Heilige, Brooklyn Museum, Public Domain via Wikimedia
  • Stethoskop, Public Domain, by Parentingupstream via Piaxabay
  • Rosenkranz aus Brot und Blech, hergestellt im Nazi-Lager Maria Nosowski (Holocaust-Ausstellung HL-senteret Oslo Norwegen 2021) by Wolfmann, CC-BY-SA 4.0 via Wikimedia

 

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