Der heilige Franz von Assisi war ein glühender Verehrer der Gottesmutter. Seine Liebe zu Maria zeigte sich nicht nur in innigen Gebeten, sondern auch in der Nachahmung ihrer Tugenden. Was können wir von seiner Marienfrömmigkeit und seiner Liebe zu Armut und Demut lernen? Lesen oder hören Sie anlässlich seines 800. Todestages den folgenden Artikel!
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Die Marienverehrung des Heiligen Franziskus
Der heilige Franz von Assisi war ein glühender Verehrer der Gottesmutter, und zwar in einem Maß, das über das Gewöhnliche weit hinausging. Er widmete ihr besondere Lobgesänge, dichtete eigene Gebete und brachte ihr seine Liebe dar, so oft und so innig, dass keine menschliche Zunge es aussprechen kann, schreiben seine Biografen.
Der Heilige war kein geschulter Theologe. Seine Marienfrömmigkeit erwuchs aus der kirchlichen Verkündigung der Wahrheiten über die Gottesmutter. Er drang nicht auf dem Weg des schulmäßigen Wissens, sondern auf dem des Betens und Betrachtens immer tiefer in die Geheimnisse des Lebens Marias und in ihre erhabene Stellung im Heilswerk Gottes ein.
Die tiefe Verehrung der Gottesmutter zeigte sich bei Franziskus nicht nur in seiner persönlichen Frömmigkeit, sondern auch in den Gebeten, die er verfasste und wohl täglich selbst betete. Hier gehört sein „Gruß an die selige Jungfrau Maria“ erwähnt:
„Sei gegrüßt, Herrin, heilige Gottesmutter Maria, die du zur Jungfrau Kirche gemacht und erwählt worden bist vom heiligsten Vater im Himmel, die er geweiht hat mit seinem heiligsten geliebten Sohn und dem Heiligen Geist, dem Tröster; in dir war und ist alle Fülle der Gnade und jegliches Gute. Sei gegrüßt, du sein Palast! Sei gegrüßt, du sein Gezelt! Sei gegrüßt, du seine Wohnung! Sei gegrüßt, du sein Gewand! Sei gegrüßt, du seine Magd! Sei gegrüßt, du seine Mutter!“
Auch die Marienfeste lagen dem Heiligen besonders am Herzen. Von den Festen der Gottesmutter hat der hl. Franziskus allem Anschein nach, das Fest ihrer leiblichen Aufnahme in die himmlische Herrlichkeit besonders festlich feiern wollen. Denn er pflegte, sich auf dieses Marienfest durch eine eigene Fastenzeit von 40 Tagen vorzubereiten.
Warum hat der heilige Franziskus Maria so sehr verehrt?
- Wegen ihrer Gottesmutterschaft
Die Mutter Jesu umfing er mit unsagbarer Liebe, weil sie uns den Herrn voll Majestät zum Bruder gemacht hat und weil wir durch sie Barmherzigkeit erlangt haben.
Weil ihm die Menschwerdung des Gottessohnes das Fundament seines gesamten religiösen Lebens war und er sich sein ganzes Leben lang sorgfältig bemühte, den Spuren des menschgewordenen Wortes in allem zu folgen, musste er mit dankbarer Liebe jener Frau begegnen, die uns Gott nicht nur menschlich nahegebracht, sondern uns den Herrn voll Majestät zum Bruder gemacht hat.
Franziskus schreibt selbst:
„Höret, meine Brüder, die seligste Jungfrau wird so hoch geehrt, wie es ja geziemend ist, weil sie Ihn in ihrem heiligsten Schoß getragen hat…“.
Es darf betont werden, dass der Heilige auch deshalb oft und mit unübersehbarer Deutlichkeit die Realität der Mutterschaft unterstrichen hat, um sich gegen die damalige Irrlehre der Katharer abzugrenzen, die, wie heute wieder, den Anteil Marias am Heilswerk verflüchtigen wollten.
Auch aus diesem Grund hegte er eine besondere Vorliebe für das Weihnachtsfest. Der hl. Franziskus feierte es mit unbeschreiblicher Freude und versicherte seinen Brüdern: „Dies ist das Fest aller Feste, weil Gott an ihm ein kleines Kind geworden ist und an den Brüsten einer menschlichen Mutter gesogen hat“.
- Wegen ihrer einzigartigen Lebensbeziehung zum dreifaltigen Gott
Der Heilige sah Maria eigentlich nie in sich allein, sondern stets auch in jenen einmaligen Lebensbeziehungen, die sie mit dem dreieinigen Gott und mit den einzelnen göttlichen Personen verbinden.
Niemals kommt dem Heiligen ein Lob Marias auf die Lippen, das nicht zugleich ein Lob des einen und dreieinigen Gottes wäre, der sie vor allen anderen auserwählt und über alles begnadet hat, schreiben seine Biografen.
- Wegen der Armut der Gottesmutter
Er, der die Armut so sehr liebte, war von der Armut, welche Maria in ihrem Erdenleben mit ihrem Sohn Jesus Christus geteilt hat, ganz tief beeindruckt.
Christus wollte, obwohl er über alle Maßen reich war, dennoch selbst zusammen mit der seligsten Jungfrau, seiner Mutter, die Armut erwählen. Franziskus wusste um die erlösende Funktion der Armut Christi, an der Maria teilnahm. Bei der Betrachtung der Armut ging es ihm aber nicht nur um mitleidsvolle Gefühle. Er sah darin eine in der Kirche allzeit gegenwärtige Wirklichkeit, die es zu sehen gilt. Seine Biografen schreiben:
„Was er an Gebrechen, was er an Not bei einem Menschen erblickte, führte er im Geiste sofort auf Christus zurück und übertrug es auf ihn. So sah er in jedem Armen den Sohn der armen Herrin, und nackt trug er den im Herzen, den sie von allem entblößt auf den Armen getragen.“
Der Arme hat in den Augen des hl. Franziskus die Aufgabe, die Armut Christi und seiner Mutter transparent zu machen. Als daher einer der Brüder sich gegen einen Armen ungebührlich benommen hatte, strafte Franziskus ihn streng und ermahnte ihn:
„Bruder, wenn du einen Armen siehst, wird dir ein Spiegel des Herrn und seiner armen Mutter vorgehalten. Was darum durch das arme Leben Christi und seiner Mutter in uns an Liebe geweckt wird, muss sich in der Liebe zu den Armen, den ‚Söhnen der armen Herrin‘, verwirklichen.“
Die Nachahmung Christi und seiner armen Mutter
Der große Liebhaber der seligsten Jungfrau Maria konnte nicht bloß ganze Nächte im Gebet verbringen, um Gott und die glorreiche Jungfrau, seine Mutter, zu loben. Er hat auch bis zu seinem Lebensende ernst gemacht mit der Nachahmung der Tugenden Christi und seiner Mutter, vor allem auch in der Liebe zur Armut und zur Demut.
In seinen „Ermahnungen“ ruft Franziskus uns allen zu:
„Darum, ihr Menschenkinder, wie lange noch wollt ihr harten Herzens bleiben? Warum erkennt ihr nicht die Wahrheit und glaubt nicht an den Sohn Gottes? Seht doch, täglich erniedrigt er sich, wie er einst vom königlichen Thron herab in den Schoß der Jungfrau kam. Täglich kommt er selbst zu uns und zeigt sich in Demut. Täglich steigt er aus dem Schoß des Vaters auf den Altar herab…“.
Textquelle:
Ferdinand Holböck „Geführt von Maria“, Marianische Heilige aus allen Jahrhunderten der Kirchengeschichte, Christiana Verlag, 1. Auflage, 1987, S. 277ff
Bildquelle:
m-i.info/de/der-hl-franz-von-assisi-auch-er-ein-marianischer-heiliger/
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