Am 7. Oktober feiert die Kirche Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz. Der Ursprung dieses Festes erinnert an einen entscheidenden Sieg, den die Christenheit der Fürsprache der Gottesmutter und dem Rosenkranzgebet zuschrieb.
Was geschah damals bei Lepanto – und welche Bedeutung hatte dabei das Vertrauen auf die Gottesmutter?
Lesen oder hören Sie mehr über den Rosenkranz als geistliche Waffe und Maria, die Hilfe der Christen.
Lepanto – der Sieg des Rosenkranzes
Der 7. Oktober ist der Kirche als Rosenkranzfest geweiht. Seinen Ursprung hat dieses Fest in einem Ereignis, das bis heute eindrucksvoll zeigt, welche Macht das beharrliche Gebet des Rosenkranzes besitzt: dem Sieg der christlichen Flotte bei Lepanto.
Im Mittelpunkt dieser Geschichte steht nicht allein eine Schlacht, sondern vor allem das Vertrauen auf die Hilfe der Gottesmutter. Papst Pius V. war überzeugt, dass die Rettung der Christenheit nicht allein von menschlichen Kräften abhing. Deshalb rief er die Gläubigen zum Gebet, zu Fasten und Buße auf – und ganz besonders zum Rosenkranzgebet.
Eine Zeit großer Bedrohung
Die christlichen Völker Europas sahen sich damals einer ernsten Bedrohung gegenüber. Die osmanische Macht breitete sich immer weiter aus, und auch die christlichen Mächte waren untereinander vielfach uneins. In dieser schwierigen Situation bemühte sich Papst Pius V., die christlichen Kräfte zu einen. Doch er wusste zugleich, dass menschliche Bündnisse und militärische Vorbereitungen allein nicht genügen würden.
Pius V. war ein Mann des Gebetes und ein inniger Verehrer der Gottesmutter. Täglich betete er den Rosenkranz. Für ihn war das Rosenkranzgebet nicht eine fromme Nebensache, sondern eine geistliche Waffe. Er rief deshalb das ganze christliche Volk dazu auf, sich im Gebet unter dem Schutz Mariens zu vereinen.
So entstand gewissermaßen ein geistliches Heer: Während die Soldaten sich auf die Auseinandersetzung vorbereiteten, kämpften die Gläubigen mit dem geistlichen Schwert des Rosenkranzes.
Das geistliche Schwert des Rosenkranzes
Pius V. forderte die Christen zu Gebet, Fasten und Buße auf. In den Rosenkranzbruderschaften vereinigten sich die Gläubigen zu Gebeten und Bußprozessionen. Papst und Volk waren im Vertrauen auf die Fürsprache der Gottesmutter miteinander verbunden. Auch die Männer der christlichen Flotte wurden zu einem christlichen Leben angehalten. Don Juan de Austria, der die Soldaten anführte, ordnete an, dass jegliche Gotteslästerung auf seinen Schiffen verboten war, und verlangte, dass alle seine Männer drei Tage lang fasteten. Er verbot Frauen den Zutritt zu seinen Schiffen, damit keiner seiner Männer in die Sünde der Unkeuschheit verfiel und sich vor der Schlacht die Seele verdarb, Priester standen zur Verfügung, die die Sakramente spendeten. Außerdem verteilte er an jeden Mann in seiner Armada einen Rosenkranz. Am Vorabend der Schlacht ging er mit gutem Beispiel voran und verlangte, dass alle seine Männer das geistliche Schwert des Rosenkranzes in die Hand nahmen und beteten – und sie taten es.
Damit wurde deutlich: Der bevorstehende Kampf sollte nicht nur mit menschlichen Waffen geführt werden. Dem Schwert aus Stahl sollte das geistliche Schwert des Rosenkranzes zur Seite stehen.
Gerade darin liegt die bleibende Bedeutung von Lepanto. Der Rosenkranz ist keine Flucht vor den Schwierigkeiten dieser Welt. Er führt uns vielmehr zu Christus durch Maria und lehrt uns, unser Vertrauen nicht auf die eigenen Kräfte, sondern auf Gott und die Fürsprache seiner heiligsten Mutter zu setzen.
„Der Wind Gottes“
Am Vorabend der Schlacht wurde auf den Schiffen der christlichen Flotte der Rosenkranz gebetet. Zugleich vereinigten sich in Rom die Gläubigen im Gebet, und Papst Pius V. selbst betete inständig um die Hilfe der Gottesmutter.
Am Tag der Schlacht schien zunächst sogar die Natur gegen die christliche Flotte zu stehen. Ein ungünstiger Wind erschwerte ihr die Bewegung. Doch plötzlich drehte sich der Wind und wurde zum Rückenwind. Die Christen erkannten darin ein Zeichen der göttlichen Hilfe und sprachen vom „Wind Gottes“.
Schließlich errang die christliche Flotte bei Lepanto einen entscheidenden Sieg.
Für Papst Pius V. war unmittelbar klar, wem dieser Sieg zu verdanken war. Er schrieb ihn nicht einfach der Stärke der Waffen oder der militärischen Führung zu, sondern der Fürsprache der Gottesmutter und dem Rosenkranzgebet. Die Christenheit hatte in ihrer Not zu Maria gerufen – und sie vertraute darauf, dass die himmlische Königin ihre Kinder nicht verlassen würde.
„Maria hat uns zum Sieg verholfen“
Der Sieg löste in Europa großen Jubel aus. Zum Dank an die Gottesmutter wurden Kirchen und Kapellen errichtet und Bilder Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz verehrt.
Papst Pius V. führte den Gedenktag des Sieges ein und ließ Maria in der Lauretanischen Litanei unter dem Titel „Hilfe der Christen“ anrufen. Wenig später wurde der erste Sonntag im Oktober als Rosenkranzfest begangen. Schließlich erhielt das Fest den Namen „Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz“.
Damit bewahrte die Kirche das Andenken an Lepanto nicht als bloße Erinnerung an einen militärischen Erfolg. Sie stellte vielmehr die Macht der Fürsprache Mariens und des Rosenkranzgebetes in den Mittelpunkt.
Bezeichnend ist die Inschrift, die in Venedig am Dogenpalast angebracht wurde:
„Weder Macht noch Waffen und Führer, sondern Maria vom Rosenkranz hat uns zum Sieg verholfen!“
Der Rosenkranz – unsere geistliche Waffe
Die Geschichte von Lepanto ist auch für uns heute eine eindringliche Erinnerung. Wir stehen vielleicht nicht auf einem Schlachtfeld, doch auch unsere Zeit kennt schwere geistige Kämpfe. Der Glaube wird angegriffen, die Seelen sind vielen Gefahren ausgesetzt, und die Kräfte des Guten scheinen oft schwach und gering.
Gerade dann dürfen wir uns an Lepanto erinnern.
Der Rosenkranz ist eine geistliche Waffe, die jedem Gläubigen offensteht. Mit ihm wenden wir uns an jene Frau, die Gott zur Königin des Himmels und zur Hilfe der Christen gemacht hat. Durch Maria führen die Geheimnisse des Rosenkranzes immer tiefer zu ihrem göttlichen Sohn.
Der Sieg von Lepanto lädt uns deshalb nicht nur dazu ein, auf ein vergangenes Ereignis zurückzublicken. Er ist vielmehr eine Aufforderung, selbst wieder vertrauensvoll den Rosenkranz in die Hand zu nehmen.
Wenn die Not groß wird, sollen wir nicht verzagen. Wenn menschliche Kräfte nicht ausreichen, sollen wir beten. Und wenn wir nicht wissen, wie wir helfen können, dürfen wir uns unter den Schutz der Gottesmutter stellen.
Maria, Hilfe der Christen, bitte für uns!
Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz, bitte für uns!
„Ritter“ – Zeitschrift der Militia Immaculata, 6. Jahrgang, Nr. 3/2021
„Kämpfer des Rosenkranzes – Die Geschichte und die Verkünder einer geistlichen Waffe“ Donald H. Calloway MIC, S.128ff (erhältlich beim Sarto-Verlag)
Kämpfer des Rosenkranzes | Sarto Verlag
Bildquelle:
Titelbild – KI generiert
https://de.wikipedia.org/wiki/Seeschlacht_von_Lepanto#/media/Datei:Frauenkirche_(G%C3%BCnzburg)_06.jpg
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Jan_Peeters_(I)_-_Battle_of_Lepanto_of_1571_with_Pope_Pius_V_kneeling_before_a_statue_of_Catherine_of_Ricci.jpg?uselang=de





