„Königin der Engel, Königin des Friedens, Zuflucht der Sünder …“ Seit Jahrhunderten erhebt die Kirche diesen Lobpreis zur Himmelskönigin. Heute betrachten wir die Herrlichkeit Mariens, ihre vier Dogmen und eine Predigt von Professor May über die einzigartige Schönheit und Reinheit der Gottesmutter.
31.05.2026 
Fest Maria – Königin des Himmels
„Königin der Engel, Königin der Patriarchen, Königin der Propheten, Königin der Apostel, Königin der Martyrer, Königin der Jungfrauen, Königin aller Heiligen, Königin, ohne Makel der Erbsünde empfangen, Königin, in den Himmel aufgenommen, Königin des heiligsten Rosenkranzes, Königin des Friedens …
Zuflucht der Sünder, Mutter der Barmherzigkeit, Heil der Kranken, Trösterin der Betrübten, Pforte des Himmels …“
So verehrt das katholische Volk seit Jahrhunderten die Königin des Himmels in der Lauretanischen Litanei. Und dies wird in alle Ewigkeit so bleiben, weil Gott selbst es so gewollt hat und will; denn ein wahres Kind Gottes verehrt auch seine Mutter, wie Jesus es getan hat und in alle Ewigkeit tun wird. Der heilige Ludwig Maria Grignion de Montfort schreibt in seinem goldenen Buch: Eher könnte man das Licht von der Sonne trennen als Maria von Jesus.
Zu Ehren der Himmelskönigin sollen an dieser Stelle Gedanken aus einer Predigt von Georg May veröffentlicht werden, der in diesem Jahr im September seinen 100. Geburtstag feiern könnte, sofern Gott seinen treuen Knecht nicht zuvor heimruft. In seiner Predigt erwähnt Professor May eine ungläubige Person, die sich in Rom mit einem Priester unterhält. Dieser Ungläubige sagte zu dem Priester, dass er katholisch werden würde, wenn er glauben könnte. Als Grund nannte er die Lehre der Kirche über die Unbefleckte Empfängnis. Er, der viel gereist war und so viel Schmutz, Sünde und Bosheit gesehen hatte, fühlte sich angezogen von dem Gedanken, dass es einen Menschen gibt, der – ohne Gott zu sein – dennoch rein, völlig schuldlos und frei geblieben ist von jedem Makel der Sünde, des Lasters oder sonstiger menschlicher Bosheit.
Leider wird heute unter dem Vorwand einer falschen Ökumene – nämlich um Protestanten oder Andersgläubige nicht zu beleidigen – die Heiligkeit und Herrlichkeit Mariens abgeschwächt oder ganz verschwiegen. Man darf niemals Angst haben, dort, wo es erforderlich ist, mit aufrichtigem Herzen klar und ohne Abstriche zur Lehre der Kirche zu stehen. Nach den Darlegungen von Leo XIII. in der Enzyklika Testem benevolentiae würden Abstriche in der Lehre die Fernstehenden nicht anziehen und mehr noch: eher die Katholiken selbst zum Abfall verleiten.[1]
Im Folgenden finden sich Gedanken aus einer Predigt von Professor May.
Maria, Königin des Himmels
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Geliebte im Herrn!
Wer im katholischen Glauben von Christus spricht, darf Maria nicht auslassen. Was gehört enger zusammen als Mutter und Kind? Deshalb betrachten wir heute drei Dinge: das Leben Mariens, die Mariendogmen und die Marienverehrung.
Das Leben Mariens
Schon im Alten Testament wird Maria vorausverkündet: als die Frau, die den Schlangenzertreter gebiert, und als die Jungfrau, von der der Prophet Isaias spricht.
Im Neuen Testament begegnet sie uns in Nazareth, wo der Engel ihr die Botschaft bringt. Danach finden wir sie bei Elisabeth. Menschenliebe führt sie dorthin, und Gottesliebe erfüllt ihr Herz. In Bethlehem wird sie in heiliger Nacht Mutter des Gottessohnes. Die Engel verkünden den Lobgesang, Hirten und Weise kommen zur Krippe.
Doch zu den Freuden treten Schmerzen hinzu. Im Tempel hört Maria die Weissagung, dass ein Schwert ihr Herz durchdringen werde. Bald folgen Flucht und Sorge: die Flucht nach Ägypten und die Suche nach dem verlorenen Jesuskind. Jahrzehnte dient Maria dem Herrn im verborgenen Leben von Nazareth. Während seines öffentlichen Wirkens erscheint sie immer wieder an seiner Seite, etwa bei der Hochzeit zu Kana, wo Jesus auf ihre Bitte hin sein erstes Wunder wirkt. Der schwerste Weg aber war der Weg unter das Kreuz. Dort steht sie als Schmerzensmutter und erlebt den Tod ihres Sohnes. Doch auf das Leid folgt die Herrlichkeit. Maria ist bei den Aposteln, als der Heilige Geist herabkommt. Schließlich wird sie in den Himmel aufgenommen. Johannes sieht sie als die Frau, mit der Sonne bekleidet und den Mond unter ihren Füßen. Das war das Leben Mariens, und dieses Leben war mit kostbaren Edelsteinen geziert, nämlich mit den vier Mariendogmen.
Die vier Mariendogmen
Das Leben Mariens ist durch vier große Vorzüge ausgezeichnet.
- Maria als Gottesmutter
Das wichtigste Dogma ist ihre Gottesmutterschaft. Im Glaubensbekenntnis sprechen wir: „Geboren aus Maria, der Jungfrau.“ Im Jahr 431 trat in Ephesus ein Konzil zusammen, weil der Patriarch Nestorius Maria lediglich „Christusgebärerin“ nennen wollte. Die Kirche bekannte dagegen: Wer Christus als wahren Gott anerkennt, muss Maria als Gottesgebärerin bekennen. Maria hat den Sohn Gottes, den Gott-mit-uns, geboren. Deshalb sprechen wir in jedem Ave Maria: „Heilige Mutter Gottes, bitte für uns Sünder …“ Wenn Christus Gott ist, dann muss die heilige Jungfrau Gottesgebärerin sein. Deshalb ehren wir Maria, weil sie mit ihrem freien Ja die Würde der Gottesmutter angenommen hat. Gott sucht immer das Königsgeschenk des Menschen: das freie Ja. Er zwingt nicht, sondern lädt ein und ruft. Maria aber, die bessere Eva, sprach das goldene Wort: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn.“
Durch dieses freie Ja wurde sie die Mutter Gottes – und zugleich die Mutter der Schmerzen. Als Mutter der Schmerzen aber wurde sie auch die Mutter voll Gnade und Herrlichkeit.
- Die immerwährende Jungfräulichkeit
Die Kirche lehrt, dass Maria vor, in und nach der Geburt Jungfrau geblieben ist.
Vielfach wird auf die „Brüder Jesu“ verwiesen. Doch die Kirche verstand diese Stellen stets anders. Im damaligen Sprachgebrauch bezeichnete man nahe Verwandte ebenfalls als Brüder und Schwestern. Ein Hinweis liegt auch darin, dass Jesus am Kreuz seine Mutter dem Apostel Johannes anvertraute. Wären weitere Kinder vorhanden gewesen, wäre dies kaum verständlich gewesen. Die Kirche hält deshalb an der immerwährenden Jungfräulichkeit Mariens fest: Sie war Mutter und blieb zugleich Jungfrau.
- Die Unbefleckte Empfängnis
Maria wird als „voll der Gnade“ gegrüßt. Sie wurde vor jeder Sünde bewahrt.
Pius IX. verkündete 1854 feierlich das Dogma, dass Maria im ersten Augenblick ihres Daseins durch ein besonderes Gnadenprivileg von der Erbsünde bewahrt wurde – im Hinblick auf die Verdienste Christi. Maria ist aber keine Ausnahme von der Erlösung. Auch sie wurde erlöst, aber auf andere Weise: nicht durch Befreiung von der Erbsünde, sondern durch Bewahrung vor ihr. Ja, auch sie ist eine Erlöste – aber eine Vorerlöste. Wir werden erlöst, indem wir von der Erbsünde befreit werden; Maria wurde erlöst, indem sie vor der Erbsünde bewahrt wurde. Maria bildet also keine Ausnahme von der Erlösungsbedürftigkeit und auch keine Ausnahme von der Erlösungswirklichkeit. Sie ist lediglich eine Ausnahme hinsichtlich der Weise der Erlösung. Sie empfing die Erlösungsgnade als Bewahrung, während wir sie als Befreiung empfangen.
- Die Aufnahme Mariens in den Himmel
Der Leib, der den Erlöser getragen hatte, sollte nicht der Verwesung überlassen bleiben. Pius XII. verkündete 1950 das Dogma von der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel.
Maria ist nun Königin der Engel und Heiligen. Sie besitzt bereits jene Herrlichkeit, die wir noch erhoffen. So schließt sich der Kreis: Weil sie Gottesgebärerin war, weil sie die Unbefleckte und immerwährende Jungfrau war, wurde sie auch zur himmlischen Herrlichkeit erhoben.
Die Verherrlichung Mariens
Es muss auch ein Wort über die Marienverehrung gesagt werden. Maria selbst hat die Verheißung gegeben, dass es eine ständige und niemals endende Marienverehrung geben wird: „Selig werden mich preisen alle Geschlechter.“
Der Himmel selbst begann die Verehrung der Jungfrau Maria durch den Mund des Engels an jenem Tag, an dem sie Gottesmutter wurde. Seitdem ist sie, wie Elisabeth sagte, „die Gebenedeite unter den Frauen“. Auch der Heiland selbst billigte den Lobpreis Mariens. „Selig der Leib, der dich getragen, und die Brust, die dich genährt hat“, rief einst eine Frau aus dem Volk. Jesus antwortete: „Ja, selig sind die, die das Wort Gottes hören und bewahren“ – wie Maria. Er wehrte dieser Frau nicht, und er verwehrt es auch der Kirche nicht, Maria zu verehren; denn Gott selbst ist ein Marienverehrer.
Darum ist die Marienverehrung in der Kirche gewachsen. In den römischen Katakomben findet sich ihr Bild. Kirchen wurden ihr geweiht. Künstler wie Dürer oder Grünewald versuchten, ihre Schönheit darzustellen. Dome, Lieder, Gebete und Wallfahrten bezeugen ihre Verehrung. Der Rosenkranz, das Angelusläuten und zahlreiche Marienfeste prägen bis heute das Leben der Kirche. Wo Maria recht verehrt wurde, dort wuchs auch die Liebe zu Christus. Denn Mutter und Sohn gehören zusammen. Darum wollen wir oft zu Maria aufblicken und beten: „Meerstern, ich dich grüße, o Maria hilf. Gottesmutter, süße, o Maria hilf. O Maria, hilf uns allen aus unserer tiefen Not.“
Amen.[2]
Bildquelle:
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Fra_Angelico_081.jpg?uselang=de
Textquelle:
https://www.glaubenswahrheit.org/predigten/themen/maria/20050904/
[1] Es wäre für unsere Zeit wichtig, sich die Grundsätze zu Herzen zu nehmen, die Leo XIII. (1899) in seiner Enzyklika «Testem Benevolentiae» anführt: hier folgender Ausschnitt:
«Wir können das Schweigen, das bewusst zur Auslassung oder Vernachlässigung einiger Grundsätze der christlichen Lehre führt, nicht als gänzlich untadelig ansehen, denn alle Grundsätze stammen von demselben Urheber und Meister, „dem eingeborenen Sohn, der im Schoß des Vaters ist“ (Joh 1,18). Sie sind für alle Zeiten und alle Völker geeignet, wie aus den Worten unseres Herrn an seine Apostel deutlich hervorgeht: „Darum geht hin und lehrt alle Völker; lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe, und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ – Matthäus 28,19. Zu diesem Punkt sagt das (1.) Vatikanische Konzil: „All das ist mit göttlichem und katholischem Glauben zu glauben, was im Wort Gottes enthalten ist, sei es geschrieben oder überliefert, und was die Kirche entweder durch ein feierliches Urteil oder durch ihr ordentliches und allgemeines Lehramt als göttlich offenbart zum Glauben vorschreibt.“ – Const. de fide, Kapitel III.
Es sei fern von jedem Gedanken, aus irgendeinem Grund eine überlieferte Lehre zu unterdrücken. Eine solche Politik würde eher dazu führen, Katholiken von der Kirche zu trennen, als diejenigen anzuziehen, die andere Ansichten vertreten. Nichts liegt uns mehr am Herzen, als dass diejenigen, die von der Herde Christi getrennt sind, zu ihr zurückkehren, aber auf keine andere Weise als auf dem von Christus gewiesenen Weg.»
(siehe auch: https://www.remnantnewspaper.com/fruits-of-vatican-ii-enemies-feasting/)
[2] https://www.glaubenswahrheit.org/predigten/themen/maria/20050904/




